GD Star Rating
loading...

Schon die Umstände, unter denen dieser Roman entstand, sind einen Roman Wert. Denn lange rätselte man, wer Urheber von „Roman mit Kokain“ eigentlich ist: Vladimir Nabokov war im Gespräch, was seine Witwe bestritt und es damit nicht besser machte. Anfang der neunziger Jahre war klar, dass ein gewisser M. Agejew der Autor ist – und auch wieder nicht. Denn M. Agejew gab es nicht. Hinter dem Pseudonym verbarg sich Mark Levi. 1898 in Russland geboren, emigrierte er in den zwanziger Jahren nach Deutschland, floh vor den Nazis nach Istanbul und starb schließlich 1973 in Armenien. Alternative Quellen meinen hingegen, dass er bereits in den dreißiger Jahren in der Türkei starb.

„Roman mit Kokain“ erschien Mitte der dreißiger Jahre in einem russischen Exilverlag in Paris und blieb der einzige Roman von Levi, der –neun Sprachen sprechend –  als Sprachlehrer und Übersetzer tätig war und zwischendurch wohl auch als Geheimdienstagent. Nun liegt das Werk neu übersetzt vor – und zwar direkt aus dem Russischen. Die vorherige Version war aus dem Französischen übernommen.

Der Leser begleitet den Ich-Erzähler Wadim Maslennikow durch rund vier Jahre seines jungen Lebens: Angefangen von der Schulzeit kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs bis hin zur Oktoberrevolution. Sich seiner niedrigen Herkunft schämend, weiß Maslennikow sich in die Clique seiner Schulkameraden einzuschmeicheln. Er erlebt Exzesse und Liebschaften und verfällt schließlich dem Kokain, woran er mit nur zwanzig Jahren stirbt.

Der Deutschlandfunk begeistert: „“Roman mit Kokain“ ist wie viele große Romane der russischen Literatur die ungemein fesselnde Studie eines psychopathologischen Falls, der beispielhaft für eine amoralische Dekadenzgesellschaft steht. […] Was für ein verstörendes Meisterwerk!“

FAZ net konstatiert: „Überhaupt ist das große Thema dieses mit eleganten Sprachbildern glänzenden Romans die sittliche Verderbtheit – die Frage ob und wie sich mit einer Schuldpersönlichkeit leben lässt.“

Zeit online fasst zusammen: „Wadim Maslennikow ist eine Figur, die in der russischen Romantradition steht. Ein Charakter, der außerhalb jeglicher gesellschaftlicher Deutungs- und Verhaltensmodelle angesiedelt ist. Gerade in seiner anarchischen Konsequenz wird er uns so unheimlich.“

Bei Welt online heißt es: „M. Agejews Stil erzeugt eine fesselnde Abwärtsspirale voller scheinbarer Glücksmomente und tiefer Verzweiflung.“

Buchcover “Roman mit Kokain”

M. Agejew:“Roman mit Kokain“Übersetzt von Valerie Engler und Norma Cassau, mit einem Nachwort von Karl-Markus Gauss, Manesse Verlag

bei amazon mit Blick ins Buch