GD Star Rating
loading...

 

lockruf-der-decadence_schweinfurtEs war ein Protest gegen die Bürgerlichkeit, gegen Kirchen und Staaten und deren Verständnis von Kunst, in dem nur das Schöne, Idealisierte Platz hatte. „L’art pour l’art“ hieß der Schlachtruf, der ab 1860 von Paris ausging. Charles Beaudelaire und Theophile Gauthier waren die starken literarischen Stimmen dahinter, die das scheinbar Hässliche zum neuen Schönen machten und den – moralisch sittlichen – Verfall als Chance für einen besseren Neuanfangs proklamierten. Die Stilrichtung, die wir heute „Décadence“ oder auch „Fin de siècle“ nennen, war geboren.

Das Museum Georg Schäfer geht in seiner aktuellen Schau „Lockruf der Décadence“ davon aus, dass die „Umkehr der Werte“, wie Friedrich Nietzsche die Bewegung nannte, Deutschland nicht erst 1900 erreichte, sondern bereits viel früher unterschwellig wirkte. Maler wie Hans Makart (1840-1884) oder  Franz von Stuck (1863-1928) führt das Haus hier an, die mit ihren Bildern bewusst Skandale provozierten oder Felicien Rops und Aubrey Beardsley, die mit ihren Darstellungen des Makabren Schockwellen auslösten.

Die Ausstellung umfasst rund 140 Werke von 64 Künstlern aus der Zeit von 1840 bis 1920, die thematisch gefasst sind in Kapitel wie Deutsche Verfallsvorstellungen; Orgiastische Welten: Bacchanten, Satyrn und Nymphen; die Antike als Vorbild für die Darstellung des Verfalls; Germanische Sittlichkeit contra römische Dekadenz; Aktmodelle: Vom Atelier zur Sommersonne; Sünde und Salome; Theatervergnügen oder auch Feinnervig – das Fin de Siècle.

Der Bayerische Rundfunk lobt: „Die Schweinfurter Ausstellung „Lockruf der Décadence“, die  rund 140 Gemälde und Zeichnungen von 64 Künstlerinnen und Künstlern versammelt – von Arnold Böcklin, Anselm Feuerbach, Aubrey Beardsley, Félicien Rops oder Franz von Stuck – spiegelt damit die Beweglichkeit des Dekadenzbegriffs kongenial.“

Das Main-Echo begeistert: „In der Schweinfurter Schau kann man sich von einem Blockbuster der Kunstgeschichte zum nächsten hangeln. Es gibt viel zu entdecken – und noch mehr zu lernen. […] Entfesselte Lebenslust als ganz großes Kino, als Filme im Breitwandformat mitten in Unterfranken: Ein Ausflug in das Museum Georg Schäfer lohnt sich allemal.“

Lockruf der Décadence
Ausstellung bis zum 8. Januar 2017
Katalog zur Ausstellung „Lockruf der Décadence: Deutsche Malerei und Bohème 1840-1920“

Museum Georg Schäfer
Brückenstraße 20
97421 Schweinfurt

Öffnungszeiten
Dienstag – Sonntag: 10 – 17 Uhr
Donnerstag: 10 – 21 Uhr
Montag geschlossen (außer an Feiertagen)

7 Euro/6 Euro

Bei Verwendung des Textes bitte Quelle angeben bzw. verlinken.