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Literatur: T.C. Boyle „Die Terranauten“. Der amerikanische Autor ist auf Lesereise in DeutschlandDie besten Geschichten schreibt das Leben – und das ist auch die Ausgangslage des neuen Romans von T.C. Boyle. Vor 25 Jahren startete in Arizona ein außergewöhnliches Experiment: Der Milliardär Edward Bass ließ für 200 Millionen US-Dollar ein Gebäudekomplex errichten, in dem künstlicher Lebensraum nachgebildet wurde. Acht Menschen – vier Frauen und vier Männer – lebten zwei Jahre lang eingeschlossen in der Biosphäre und testeten ein Leben in diesem Terrarium, immer unter Aufsicht, aber ohne Kontakt zur Außenwelt.

Ein Szenario, das T.C. Boyle mit „Die Terranauten“ aufgreift und weiterspinnt: Denn natürlich verlieben sich bei Boyle Dawn und Ramsay, Dawn wird schwanger und es ist fraglich, ob sie ihr Kind überhaupt austragen kann. Eitelkeit, Missgunst und Rivalität greifen schließlich Raum unter der Kuppel, während sich draußen Schaulustige und Fernsehteams drängeln.

NDR online lobt: „T. C. Boyle weiß, wann die Geschichte einen neuen Dreh braucht. Die Perspektivwechsel und die bildreiche Sprache halten stets die Spannung. […] Doch vor allem sind es die herrlich treffenden Beschreibungen der menschlichen Schwächen, die den Roman so unterhaltsam machen. Eine schillernde bitter-komische Komödie. Ein typischer T.C. Boyle.

Ebenso die Süddeutsche: „ Das Buch ist hinreißend komisch, aber auch bitter entlarvend.“

Die Frankfurter Rundschau meint: „Zuvor windet sich das Geschehen erwartbar und zuweilen langwierig durch die Simulation einer zweiten Erde. Aber weil es T. C. Boyle ist, stößt der geneigte Leser immer wieder rechtzeitig auf skurrile Szenen und witzige Wendungen, so dass er seinen Lesespaß nie ganz verliert.“

Deutschlandradio Kultur meint eher kritisch: „Wo er sonst gerade in der Darstellung ambivalenter Gefühlswelten so herausragend genau sein kann, bleiben hier Soap-Dialoge und echte Verwundungen der Protagonisten unverbunden nebeneinander liegen.“

Ähnliche der österreichische Standard: „Die Komik ist platt. Und das Setting der Handlung vor 20 Jahren schmeckt angesichts von Internet und anderen Entwicklungen in Technik, Gentechnik, Medizin und Co seither mehr als schal. Nicht bloß, weil die Überwachungskameras in der Kuppel offenbar nicht einmal über Mikrofone verfügen. Aus der womöglich zukunftssichtigen Anlage wird damit letztlich recht bedeutungsleer Spleeniges.

Der Tagesspiegel ebenso: „Am Ende, das ist die dürre Erkenntnis dieses langatmig-verschwatzten Romans, steht sich noch der utopischste Mensch immer selbst im Weg.“

Alle Termine der Lesereise von T.C. Boyle: hier

T.C. Boyle: Die Terranauten
Aus dem Englischen von Dirk van Gunsteren
Hanser Verlag, München 2017
T.C. Boyle_Die Terranauten_Leseprobe,pdf

 

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