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Es ist eine Liebe, die in der Raucherecke auf dem Schulhof beginnt: Er ist 15 und darf dort eigentlich nicht stehen, sie ist drei Jahre älter und „die Schönste des Schulhofs“. Und dennoch gelingt es ihm, seine Angebetete zu erobern. Innerhalb weniger Tage erlebt der Junge die erste, vorsichtige Annäherung, den ersten Kuss. Schließlich darf er mit zu ihr. Es ist die Zeit der frühen achtziger Jahre, in ihrer WG treffen sich die Aktivisten der Friedensmärsche. Es folgt der erste, unbeholfene Sex und das Verlassenwerden, verbunden mit der ganzen Trauer eines unermesslichen Verlusts. So heißt es bereits zu Beginn des Romans: „Das erste Mal hat er mit fünfzehn geliebt und seitdem nie wieder so groß.“  Das große Schauspiel der Liebe verknüpft Kermani mit den Erzählungen arabisch-persischer Liebesmystik.

Navid Kermani (s. auch Feuilletonscout v. 27.3.2013), geboren 1966 in Siegen, ist habilitierter Orientalist und lebt in Köln. Für seine akademischen und literarischen Werke erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, darunter 2011 den Hannah-Arendt-Preis und 2012 den Kleist-Preis.

FAZ net hält fest: „Gerade dieser zaghafte Versuch des Erzählers, im Schreiben dem eigenen Sohn wieder näherzukommen, macht Kermanis Roman bei aller vielleicht etwas opulenten konzeptuellen Orchestrierung und der mitunter etwas gewollt gespreizten Sprache zu einer wundervoll doppelbödigen Reflexion gar nicht nur über das Lieben, sondern mehr noch über die Angst vor dem Verlust.“

Bei WDR online heißt es: „Wer glaubt, Liebesgeschichten kennt man allmählich, der kennt dieses Buch nicht: In „Große Liebe“ beschwört Navid Kermani nicht – er staunt. Und wir staunen, dass man noch mal von der großen Liebe erzählen kann und alles klingt wie nie gehört.“

RBB Inforadio meint: „Wie er sie hier mit den Irrungen der Adoleszenz verknüpft, ist gewöhnungsbedürftig. Auf der Realitätsebene zeichnet er ein mild ironisches, melancholisches Bild der aufbegehrenden 80er-Jahre-Jugend in einer protestantischen westdeutschen Kleinstadt mit offensiv strickenden Hausbesetzern und heimlich den „Tod des Märchenprinzen“ verschlingenden Friedensaktivisten.“

Deutschlandradio Kultur kritisch: „Wie wäre es, eine Pubertätspassion durch ständige Rückversicherungen auf den Liebesdiskurs bei Walther von der Vogelweide, „Romeo und Julia“ oder dem Hohelied Salomos aufzuschmücken? Das bedeutungsheischende Abschweifen von der Hauptgeschichte verärgert nach einer Weile. „Große Liebe“ ist ein intelligentes, raffiniert gemachtes, aber kein überzeugendes Buch.“

Navid Kermani
Große Liebe
Hanser Verlag, München 2014

Navid Kermani ist bis Mitte März auf Lesereise.
Alle Termine und Tickets: hier