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Michail Ossorgin_Eine Straße in Moskau„Eine Straße in Moskau“, das ist die Siwzev Wrazhek, eine kleine, ruhige Passage im Zentrum der russischen Hauptstadt. Und eine Adresse, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine begehrte Wohnlage für Literaten war: Tolstoi lebte hier, ebenso wie die Dichterin Marina Zwetajewa. Szenen in Pasternaks „Dr. Schiwago“ spielen ebenfalls in der kaum 40 Häuser umfassenden Gasse.

Im Roman von Michail Ossorgin begegnet der Leser dem alten Ornithologen Prof. Iwan Alexandrowitsch und seiner Enkelin Tanja. In ihrem Haus in der Siwzev Wrazhek wird gelebt und geliebt, finden Teegesellschaften und Hauskonzerte statt. Doch beginnt der Roman 1914 und das Grauen des Ersten Weltkriegs zerstört die bürgerliche Idylle. Schon bald muss jeder sehen, wie er mit Krieg, Revolution und Bürgerkrieg zurechtkommt: die einen passen sich an, andere begehen Selbstmord oder werden verhaftet und hingerichtet, wieder andere machen Karriere. Der Professor muss Bücher versetzen, um zu überleben. Und als er und seine Enkelin 1920 schließlich ein lang entbehrtes Brötchen in den Händen halten, teilen sie es feierlich und genießen das kleine Festmahl.

Über den Autor:
Michail Ossorgin, 1878 im Ural geboren, wurde bereits 1905 als Sozialrevolutionär verhaftet. 10 Jahre Exil folgten. Kaum zurück, kritisierte er die Bolschewiki und wurde 1922 mit dem so genannten „Philosophenschiff“ außer Landes gebracht. Er kam nach Berlin und ließ sich anschließend in Paris nieder. 1942 starb Michail Ossorgin im zentralfranzösischen Chabris. Sein Debütroman„Eine Straße in Moskau“ erschien 1928 in Paris.

Die ZEIT (49/2015) fasst zusammen: “Krieg und Revolution 1914 bis 1920: atemberaubender russischer Gesellschaftsroman.“

Beim SWR heißt es: „Eine Straße in Moskau ist geräumig, wie das Haus, ein stiller Zeuge, der seine Scharfsichtigkeit hinter der Maske der Naivität versteckt.“

Welt online begeistert: „Seht, welch ein Klassiker! Ein Klassiker, was immer das heißen mag, ist uns zugewachsen, ist aus dem Nichts aufgetaucht und hat sich ganz selbstverständlich eingereiht in unser Bücherregal, dort wo die große, tolle Gesellschaftsliteratur steht, auf deren Übertrumpfung oder auch nur Einholung wir seit den 30er-Jahren warten“

Deutschlandradio Kultur lobt: „Kenntnisreich und detailgenau ergänzt die großartige Übersetzerin Ursula Keller mit ihrem lesenswerten Nachwort über Werk und Autor sowie einem umfangreichen, gemeinsam mit Natalja Sharandak recherchierten Anmerkungsapparat einen Roman, den man als kenntnisreiche Reise in den Kosmos Russland lesen kann.“

Michail Ossorgin
Eine Straße in Moskau
Die Andere Bibliothek, Berlin 2015
So denken Leser über „Eine Straße in Moskau“

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