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Literatur: „Libertalia. Die utopische Piratenrepublik“ von Daniel Defoe„Der rote Korsar“ à la Burt Lancaster und Klaus Störtebecker, der seine Mannen noch im Tod heldenhaft zu retten versucht – zwischen diesen beiden Polen bewegen sich unsere Vorstellungen vom Piratentum. Irgendwie sind sie cool, wie sie so frei und wild über die Meere segeln, aber auch brutal und alles andere als zimperlich, wenn es darum ging, Beute zu machen. Ein Schrecken der ehrbaren Kaufleute, die ein ums andere Mal ihre Handelsware in den Weiten der Meere an die Banditen verloren.

Piraten und Demokratie

Weit weniger bekannt ist, dass die Freibeuter viel fortschrittlicher waren als die Gesesllschaft, die sie verdammte. Piraten hielten demokratische Versammlungen ab, teilten die Beute, nahmen Frauen und entlaufene Sklaven auf.

Libertalia

Dass diese Darstellung freiheitlichen Denkens so spärlich Eingang in die Literatur fand, mag angesichts der für die Herrschenden so bequemen Machtstrukturen nicht verwundern. Und doch – mit dem Daniel Defoes zugeschriebenen Piratenbericht „Libertalia“ entstand im frühen 18. Jahrhundert ein seltenes Schriftexemplar über diese Lebensform. In seiner Geschichte wollen der abenteuerlustige und von der Religion enttäuschte Edelmann Misson und der desillusionierte Priester Caraccioli auf Madagaskar eine Republik aufbauen, die auf Toleranz, Gütergleichheit und radikaler Demokratie beruht, mit dem Ziel, Sklaven aus der Gefangenschaft zu befreien. Die Männer scheitern, doch die Utopie des herrschaftsfreien Libertalia lebt weiter. Ergänzt wird das Buch durch historische Piratensatzungen und Reiseberichte sowie durch Erläuterungen der freiheitlichen Ideen im Kontext der damaligen Zeit.

Erstmals liegt „Libertalia“ nun in deutscher Übersetzung vor.

Der Bayerische Rundfunk lobt: „Seien Sie versichert: Eine solche Freibeuter-Geschichte haben Sie noch nicht gelesen. […] Daniel Defoes Beschreibung von Versammlungen früher Piratenpolitiker aber ist auch fast 300 Jahre nach ihrer Niederschrift noch der Lektüre wert.“

Die taz hält fest. „Herausgeber Helge Meves erinnert im Nachwort an die oft wenig romantischen Zustände auf See, wo sich die Seeleute den Laderaum mit „Schweinen, Ziegen, Gänsen und Hühnern“ teilen mussten, von der mangelnden Hygiene ganz zu schweigen. Eine sinnvolle Korrektur am verklärten Piratenbild, hier zum ersten Mal auf Deutsch zu lesen.“

Daniel Defoe
Libertalia. Die utopische Piratenrepublik
Matthes & Seitz Veralg, Berlin 2015
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Literatur: „Libertalia. Die utopische Piratenrepublik“ von Daniel Defoe, 5.0 out of 5 based on 1 rating