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Im Schloss Otranto geht es nicht mit rechten Dingen zu: geheimnisvolle Ritter erscheinen auf der Zugbrücke, eine riesige Rüstung geistert durch die oberen Etagen, Trompeten erklingen, Bilder rutschen aus ihrem Rahmen, Statuen bluten, ein Skelett wandelt durch die Gänge, ein riesiger Helm fällt vom Himmel und erschlägt den Sohn von Manfred, dem grausamen Schlossherrn. Dieser hatte die Burg einst von seinem Großvater übernommen, der sie sich wiederum unrechtmäßig von Alphonso dem Guten nahm. Der wahre Erbe Frederick und Theodor, der leibliche Sohn von Alphonso, stehen außen vor. Manfred hingegen, nun ohne männlichen Erbe, beschließt nach dem Tod seines Sohnes, seine Ehefrau zu verstoßen und stattdessen seine fast Schwiegertochter zu heiraten. Der wiederum gelingt mit Hilfe eines Bauernburschen die Flucht vom Schloss. Schließlich beendet Alphonso der Gute das wilde Treiben: Er fährt gen Himmel und verwüstet dabei Schloss Otranto.

Der Roman von Horace Walpole (1717 – 1797) erschien 1764 zunächst anonym und wurde sofort zu einem Erfolg. Walpole setzte sich mit seinem einzigen Roman ein Denkmal, gilt „Das Schloss von Otranto“ seit seiner Veröffentlichung doch als Begründung des Schauerromans. Mit seiner Erzählweise durchbrach Walpole den realistischen Stil der Aufklärung und schuf Genrekriterien für viele romantische Geschichten des 18. und 19. Jahrhunderts, zu deren Vertreter Schriftsteller wie Ann Radcliffe oder Mary Shelley gehörten.

Deutschlandradio fasst zusammen: „In diesem Roman ist im Wesentlichen alles angelegt, was spätere Schauer- oder auch Kriminalromane auszeichnet: Wir Leser empfinden und leiden mit den Helden, die selbst empfindsam, aber höchst bedroht sind; verwerfliche und grausame Intriganten und Thronräuber wollen diesen Helden ans Leben und ans rechtmäßige Erbe; sie verkehren in Burgen, Kirchen und ähnlichen alten Gemäuern, die dunkel sind und verwirrend, aber durch unterirdische Gänge verbunden.“ Und kritisiert die Neuübersetzung von Hans Wolf: „Das Schloß Otranto“ liegt nun in einer fast parodistisch anmutenden Neuübersetzung vor, die dem Werk nicht gerecht wird.“

Literatur: Horace Walpole "Das Schloss von Otranto". Ein Schauerroman

Horace Walpole
Das Schloss von Otranto
a. d. Englischen v. Hans Wolf
C.H. Beck Verlag, München 2014

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Das Schloss Otranto: Schauerroman

 

Literatur: Horace Walpole "Das Schloss von Otranto". Ein Schauerroman, 4.0 out of 5 based on 1 rating