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Als Vera Lourié 80 Jahre alt ist, verliebt sie sich noch einmal unsterblich – in ihre Pflegerin. Dieser Liebe haben wir es zu verdanken, dass die alte Dame ihre Lebenserinnerungen niederschrieb.

Geboren in Petrograd, das frühere St. Petersburg, wohlbehütet aufgewachsen – der Vater evangelisch, Arzt, man hat Gouvernante, Kinderfrau, Privatlehrer und Theaterloge, Kuren führen die Familie nach Deutschland – zerstört die Oktoberrevolution die großbürgerliche Idylle. Die Familie emigriert 1921 – Vera ist 20 Jahre alt – nach Berlin. Und mit ihnen rund 300 000 Landsleute. In der deutschen Hauptstadt tummeln sich bereits viele bekannte und später noch berühmt werdende russische Künstler: Chagall, Lissitzky, Nabokov, Pasternak, Zwetajewa, Ehrenburg, Belyj. Vera wird Teil dieser Bohème. Sie möchte Dichterin sein, wird jedoch Journalistin. Und sie beobachtet das Geschehen um sich herum, ihre Künstlerfreunde in „Charlottograd“. Als die Nazizeit kommt, wird alles noch schlimmer: Der Vater stirbt 1936, ihr Bruder und ihre Schwester können das Land verlassen, sie selbst bleibt als Halbjüdin bei ihrer jüdischen Mutter. Mit der Umwandlung ihres Namens ins Hugenottische – Lourié – und viel Chuzpe und Flunkereien schafft sie es, die dunklen Jahre zu überleben.

Vera Lourié erlebte eine Zeit in Berlin, als es die „Hauptstad russischer Literatur“ war. Sie gilt als letzte Zeitzeugin des russischen Berlins.

Deutschlandradio Kultur hält fest: „So sind ihre Memoiren funkelnde Splitter eines zweifach dramatischen Lebens. Sie spiegeln nicht nur das kollektive historische Drama, sie setzen ein individuelles Drama dagegen: Liebe.“

Briefe an dich_Doris Liebermann

Vera Lourié
Briefe an Dich. Erinnerungen an das russische Berlin
mit zahlreichen Abbildungen
Herausgegeben von Doris Liebermann
Schöffling Verlag, 2014 Frankfurt am Main