„LIEBÉИ“: Vladimir Korneev singt von der Sehnsucht – französische Chansons, russische Romanzen und neue deutsche Lieder

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 Von Ingobert Waltenberger.

Eigentlich hat er ja einen prächtig granulierten klassisch ausgebildeten Bariton mit jener so exotisch aufregenden slawischen Dunkelheit auf goldroter Grundierung, dieser aus Georgien stammende Schauspieler, Sänger, Pianist, Entertainer, Charmeur und Verführer aller Klassen. Dreimal wiederholt der lasziv-melancholische Wuschelkopf, der schon Mal in einem Schweizer Tatort als Killer Pjotr Sorokin dem Publikum das Fürchten lehrte, nun sein erfolgreiches Programm „LIEBÉИ“ in der für ein solches Programm idealen „Bar jeder Vernunft“. Dieses alte Revue-Zelt mit dem verblichenen Glanz der 30er-Jahre und weißen Rauchschwaden auf der Bühne gibt die richtige Kulisse ab für das virtuos tänzelnd schnaubende „Zirkuspferd“ Korneev. Ein Bühnentier ist er allemal, mit kleinsten Regungen schlägt er sein Publikum in den Bann, mit einem entwaffnenden Lächeln und einer Stimme, die vom Bassregister bis in Countertenorhöhen alles drauf hat.

Natürlich könnte einer sagen, ganz schön abgebrüht dieser Korneev, bei dem jede Bewegung, jeder Blick, jede Regung mit dem Kopf sitzt, der bevor er sich ans Klavier setzt, seinen Ring abstreift wie ein Zauberer seine vorletzte Hülle. Aber war diese perfekte Show nicht auch ein Markenzeichen der Marlene Dietrich, dieses perfekte Timing von ewiger Verführung, dieses Gurren und Hauchen, Verschmelzen von Wort und Ton, dieses Wissen um Rubati, Innehalten und Lospreschen, was das Zeug hält. Wer ließe sich nicht rühren, von dieser Träne im Lachen, diesem Lächeln in der Trauer, dem rasanten Wechselbad der Gefühle, in das der Entertainer und Chansonnier Korneev sein Publikum lustvoll taucht. Dass der einer Romanfigur von Bulgakov nicht unähnliche, seine spielerische Freude an der Dämonie des Lebens zelebrierende Korneev noch dazu eine genuine Ader für Poesie hat, gibt dann die berühmte „cerise sur le gâteau“ ab.

Gemeinsam mit seinem Begleiter am Klavier, Liviu Petcu, hat Vladimir Korneev mit selbst komponierten Liebesliedern, Gassenhauern der französischen Chanson-Tradition und rührseligen russischen Romanzen, aber auch  Popsongs von Abba bis Lady Gaga sein Publikum hypnotisiert. Dabei singt Korneev nicht einfach Lieder nach, sondern eignet sie sich vollkommen persönlich an. Der alte Zarah Leander Hit „Nicht nur aus Liebe weinen“ oder „Ne me quitte pas“ des Belgiers Jacques Brel erhielten so ganz andere, faszinierende Nuancen. Zwischendurch versuchte sich Liviu Petcu an einem Stück aus Tschaikowskis „Jahreszeiten“ (der Oktober war‘s, der bei uns dem November entspricht).

 

 

Erstaunlich ist, das Korneev bei den Stücken, bei denen er sich selbst begleitet, eigentlich auch der bessere Pianist ist. Seine eigenen Kompositionen auf Texte des Carsten Golbeck erinnern nicht selten an Schubert. Die scheinbare Einfachheit, die Ambivalenz der Gefühle, die gekonnten Modulationen von Dur in Moll, geben Titeln wie „Dein Lied“ oder „Lieb mich“ eine frühromantische Färbung, wenngleich der Stoff auf den sie gemalt sind, ganz und gar 21. Jahrhundert sind. „Ein Chanson ist im Prinzip eine Oper oder ein Hollywood-Film in drei Strophen – der trifft wie ein Laserstrahl ins Herz. Und jedes einzelne Wort, jeder einzelne Melodiebogen ist da wichtig.“ Dies ist das sängerische Credo des Künstlers, der sein Metier kennt und spürbar liebt. Entsprechend großzügig ist Korneev auch bei den Zugaben, unter anderem mit Friedrich Hollaenders „Wenn ich mir was wünschen dürfte“ oder dem 1955 als Auftragsproduktion des sowjetischen Kulturministeriums geschriebenen „Moskauer Nächten“, das er einem weiblichen Fan im Saal widmete. Der auf allen social media hochpräsente Korneev hat über Facebook von ihrem Geburtstag erfahren.

Tipp: Am 18. Dezember 2018 wird VLADIMIR KORNEEVS neues Programm „WINTÉЯ“ im TIPI am Kanzleramt Premiere feiern. Es wird bis 6. Januar 2019 gespielt werden. Diesmal aber mit Band bestehend aus Schlagzeug, Bass, Gitarre und Cello. Eine CD mit dem Titel „ЯÉCITAL“ gibt es auch schon auf dem Markt. Auf die neue CD mit Orchester werden sich die Fans aber noch bis ins Neue Jahr gedulden müssen.

„LIEBÉИ“ wieder vom 1.-3. März 2019 in der Bar jeder Vernunft.

 

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