„Jack’s Jack“ ist die erste Einzelausstellung in Europa mit Werken des großartigen Jack Whitten

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Eine Ausstellung, die man gesehen haben muss findet Barbara Hoppe.

Alles auf diesen Bildern ist Farbe. Nicht Stein, nicht Glas, nicht Porzellan. Auch wenn es so aussieht und man am liebsten mit den Fingern darüber streichen möchten, vielleicht sogar ein bisschen kratzen, um sich eine bunte vermeintliche Glasscherbe als Souvenir mit nach Hause zu nehmen.

Doch Jack Whitten hat gemalt. Mit Acrylfarbe, in mehreren Schichten, mit einem Rakel mit einer Kante aus Gummi oder Metall. Hier dominieren nicht mehr einzelne Pinselstriche, sondern komplette malerische Flächen. Seine Bilder wirken fast plastisch, wie Mosaike und Collagen, sind aber Malerei. Doch bis seine Kunst soweit war, sollte einige Zeit ins Land gegangen sein.

Jack Whitten: King‘s Wish (Martin Luther‘s Dream), 1968
Öl auf Leinwand, 172,4 x 131,4 cm
© Courtesy the Jack Whitten Estate and Hauser & Wirth. Photo: John Berens

Geboren 1939 in Bessemer, Alabama, erlebte Jack Whitten als Afro-Amerikaner die Rassentrennung täglich am eigenen Leib. 1960 zog es ihn nach New York. Er lernt zentrale Figuren des Expressionismus kennen, darunter William de Kooning und Franz Kline sowie andere afro-amerikanische Künstler, die ihn unterstützen und fördern. Zu dieser Zeit ist seine Kunst noch geprägt vom Surrealismus und gestisch-spontaner Abstraktion. Inspirationsquellen bieten ihm die Philosophie, Psychologie und Naturwissenschaften, mit denen er sich intensiv auseinandersetzt. Auch die westafrikanische Skulptur und der Jazz befördern sein künstlerisches Schaffen. Doch zu verharren ist nicht Jack Whittens Art.

Ungefähr alle zehn Jahre verändert sich die Kunst dieses überlegten Malers. Er traut sich mehr, wird experimenteller. Die Farbe selbst wird zum Collageelement. Immer stärker tritt die materielle Beschaffenheit in den Vordergrund. „I make painting, I do not paint a painting“, wird das Credo des Künstlers.

Jack Whitten: Apps for Obama, 2011
Acryl auf Hohlkerntür, 213,4 x 231,1 cm,
Privatbesitz, courtesy Zeno X Gallery
© Jack Whitten, courtesy Zeno X Gallery, Antwerp. Photo: John Berens

Und so ist die erste Einzelausstellung mit Werken von Jack Whitten in Europa eine Explosion von Farben und Formen. Immer wieder ziehen die großformatigen Bilder den Blick auf sich. Man erkennt Abdrucke von Gullis und Steinreliefs. Es ist ein großes Glück, dass die Ausstellung noch gemeinsam mit dem Künstler konzipiert werden konnte. Als er überraschend im Januar 2018 starb, konnte man mit Fug und Recht behaupten, dass die Schau „Jack’s Jack“ die Lieblingsbilder des Künstlers zeigen wird. 30 Hauptwerke hat der Hamburger Bahnhof zusammengetragen, hauptsächlich aus europäischen und amerikanischen Sammlungen, die der Künstler als Geschenke für die im Titel genannten Persönlichkeiten betrachtet hat. Darunter „Apps für Obama“ oder auch „King’s Wish (Martin Luther’s Dream)“. Insgesamt sind 55 Jahre künstlerisches Schaffen zu sehen. Jahre, in denen Jack Whitten intensiv über die Malerei in der Gegenwart reflektiert hat. Ein Zeitraum zwischen 1964 und 2018, in dem die Menschheit in ein technisiertes Zeitalter eintrat und in dem Jack Whitten die westliche malerische Tradition überwunden hat.

Jack Whitten: Jack’s Jack
Ausstellung bis zum 1. September 2019
Katalog zur Ausstellung

Hamburger Bahnhof. Museum für Gegenwart – Berlin
Invalidenstraße 50-51‘
10557 Berlin

Öffnungszeiten:
Tägliche 10 bis 18 Uhr
Donnerstag 10 bis 20 Uhr

8 Euro / 4 Euro

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