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Eine Rezension von Farah Lenser

Fred Pearce: „Die Neuen Wilden. Wie es mit fremden Tieren und Pflanzen gelingt, die Natur zu retten“Schon der Titel des Buches „Die neuen Wilden“ erhöht die Leselust und erinnert an andere Wilde der Erneuerung in Kunst und Kultur. Doch was der renommierte Wissenschaftsautor Fred Pearce hier an Fakten zum Geschehen in der Natur recherchiert und an überraschenden Perspektiven zu tradierten Vorstellungen zum Schutz derselben eröffnet, ist wirklich erstaunlich.

Fred Pearce fordert ein neues Verständnis von Ökologie, die sich von überlieferten Bildern einer ursprünglichen, von Menschen unberührten Natur und idealen Ökosystemen, die vor Störungen und invasiven Arten geschützt werden müssen, befreit. Das Buch ist auch ein Manifest für einen Neustart unseres Denkens über Natur und ein Erinnern daran, „dass alles fließt“ (Heraklit) und sich Natur ständig verändert.

Fred Pearce gilt in bestimmten Naturschutzkreisen immer noch als Ketzer, doch es gibt auch eine Gegenbewegung, die erkannt hat, das die Formel, wonach heimische Arten gut und fremde nur Störenfriede seien, hinterfragt. Dabei stößt sie gleichzeitig auf Fakten, die belegen, dass fremde Arten gar als Retter erscheinen, die ein vom Menschen bereits zerstörtes Habitat besiedeln und es dadurch wieder in ein ökologische Gleichgewicht bringen.

Ein gutes Beispiel dafür ist die giftige „Killeralge“ Caulerpa, die angeblich durch die Abwässer der Aquarien eines Meeresmuseums im Mittelmeer eine neue Heimat fand. Ihre Verbreitung und die Verdrängung anderer Arten begann in den 80er Jahren und wurde von vielen als der Beginn einer ökologischen Katastrophe gedeutet. Doch 2013 war sie so überraschend verschwunden wie sie aufgetaucht war und Recherchen belegen, dass man ihr Auftauchen als erstes Stadium der ökologischen Gesundung des verdreckten Mittelmeers deuten kann: „Der Alge aus dem indischen Ozean schmeckten die Abwässer so gut, dass sie sich als effektives Mittel gegen die Verschmutzung erwies.“

Der Autor bestreitet nicht, dass Naturräume vor Eindringlingen, die ihnen schaden, geschützt werden sollten und hält es für legitim eine uns lieb gewordene Wildnis wie die afrikanische Serengeti zu bewahren! Doch seiner Meinung nach sollten wir uns bewusst machen, dass wir dieses für uns Menschen tun und so schon immer verändernd auf Natur eingewirkt haben.

Natur ist schöpferisch, verschwenderisch, widerstandsfähiger als wir oft denken und immer wieder neu – wie wir Menschen als ein Teil von ihr natürlich auch. Ein Buch mit gut recherchierten Fakten, neuen Einsichten und überraschenden Perspektiven auf Ökologie und Naturschutz!

Fred Pearce
Die Neuen Wilden
Wie es mit fremden Tieren und Pflanzen gelingt, die Natur zu retten
oekom, München 2016
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Ergänzung vom 21. November 2016:

Das Magazin »bild der wissenschaft« hat mit einer Jury aus zehn unabhängigen Journalisten und bdw-Lesern zum 24. Mal sechs Wissensbücher des Jahres > ausgezeichnet, die über Themen aus Wissenschaft und Forschung besonders kompetent, verständlich und unterhaltsam berichten – darunter in der Kategorie »Zündstoff, das brisanteste Buch«: »Die neuen Wilden. Wie es mit fremden Tieren und Pflanzen gelingt, die Natur zu retten« > von Fred Pearce, erschienen am 14. März 2016 im oekom verlag.

bdw-Jury-Mitglied Petra Wiemann lobt das Buch als faktenreich und spannend geschrieben. Es lege überzeugend dar, dass nur ein Bruchteil der neuen Arten Probleme verursache und diese in geschädigten Ökosystemen sogar zur Rettung der Natur beitragen können. Die vollständige Rezension zum Titel veröffentlicht »bild der wissenschaft« in seinem soeben erschienenen Dezemberheft >

 

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