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Fotografie: Lee Miller "Krieg. Mit den Alliierten in Europa 1944-1945"1927, als sie gerade 20 Jahre alt war, landete sie etwas plötzlich in den Armen des Verlegers Condè Nast, der die Zeitschriften „Vanity Fair“ und „Vogue“ herausgab. Er hatte sie vor einem herannahenden Fahrzeug gerettet und sie von der Straße gerissen. Ihre elegante Erscheinung gefiel ihm, sie sprach zudem Französisch. Zwei Gründe, Lee Miller einen Vertrag als Fotomodell anzubieten. Zwei Jahre arbeitete sie in New York mit Fotografen wie Edward Steichen und George Hoyningen-Huene, bevor sie nach Paris ging. Die Kunstszene dort, allen voran die Surrealisten, hatten es ihr angetan. Mit Man Ray arbeitete sie eine Weile zusammen, bis sie schließlich begann, eine eigene Karriere als Fotografin einzuschlagen. Zunächst entstanden Mode- und Portrait aufnahmen.

Als sich die Kunstszene in Paris auflöste, kehrte Lee Miller nach New York zurück. Sie eröffnete ein Fotostudio und arbeitete weiterhin erfolgreich zwei Jahre als Fotografin. Mit ihrem ersten Ehemann, dem Ägypter Aziz Eloui Bey, zog sie nach Kairo, wo sie zahlreiche Aufnahmen der Metropole machte. Mit dem surrealistischen Künstler Roland Penrose, den sie 1937 kennenlernte, reiste sie fotografierend quer durch Europa. Mit ihm ging sie nach London.

Mit Beginn des Krieges begann eine zweite Karriere der Lee Miller. 1944 war sie eine der wenigen Frauen, die die US-Army als Militärkorrespondentin begleiten durften: die erste Schlacht mit Napalm, die Befreiung von Paris, die Landung der Alliierten, die Einnahme von Hitlers Berghof, seiner Wohnung in München, die Befreiung der Konzentrationslager Buchenwald und Dachau – alle Ereignisse hielt sie in Bildern fest.

Nach dem Krieg, so heißt es, habe Lee Miller nie wieder über diese Zeit gesprochen. Sie soll traumatisiert gewesen sein. 1947 heiratete sie Roland Penrose und zog mit ihm in ein Cottage nach England. Sie fotografierte fast gar nicht mehr, Sohn Anthony wurde geboren und Lee Miller selbst sprach mit den Jahren immer stärker dem Alkohol zu.

Erst nach ihrem Tod 1977 fand Anthony Penrose auf dem Dachboden zahlreiche Fotos und Dokumente, die ihm das bewegte Leben seiner Mutter bewusst machten. Durch seine Nachlassverwaltung erfuhr die Öffentlichkeit von der Arbeit des ehemaligen Modells, die als Fotografin für die Vogue in den Krieg zog.

Mit dem Buch „Krieg“ liegt nun ein Werk vor, das erstmals ihre Fotos mit ihren Texten vereint.

Die ZEIT (31/2014) positiv: „Wer hätte gedacht, dass Lee Miller so schreiben kann, auf ihrer Hermes Baby, der legendären Reiseschreibmaschine, auf der auch Hemingway tippte. […] Miller müht sich nicht um Objektivität. Ihre Helden sind die Männer, die alles für unsere Freiheit geben […]“

Der Deutschlandfunk ebenso: „Und hier entdecken wir Lee Miller in einem ganz neuen Genre: der Reportage, dem geschriebenen Text. Und diese Texte haben es in sich.“

Deutschlandradio Kultur hält fest: „[…] in der angelsächsischen Tradition der großen Reportage vermittelt Miller eine lebendige Vorstellung vom Krieg und dem, was er mit den Menschen macht. Vielfältig und tiefenscharf sind ihre Beobachtungen, sarkastisch, direkt, irritierend. Ihr Humor, ihre Empathie und Unsentimentalität, aber auch ihr starkes Selbstbewusstsein dringt aus den Texten. Vielleicht unmittelbarer noch als die Fotos geben sie den Blick frei auf eine außergewöhnliche Frau und Künstlerin.“

SRF online meint: Fast noch aufwühlender als Lee Millers Bilder aus den Jahren 1944–45 sind ihre Texte.“

Lee Miller
Krieg
Mit den Alliierten in Europa 1944-1945.
Reportagen und Fotos
Herausgegeben von Anthony Penrose
a.d. Englischen v. Andreas Hahan und Norbert Hofmann
Edition Tiamat, Berlin 2013

LeeMiller-Leseprobe

Weitere Informationen bei Lee Miller Archives: hier

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