Feininger Trio und Katharina Thalbach „…o sink hernieder, Nacht der Liebe“, Musik und Literatur in innigster Umarmung

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„Und meiFeuilletonscout Das Kulturmagazin für Entdecker Musikn Dornenlächeln spielt mit Deinen urtiefen Zügen, und es kommen die Erden, sich an uns zu schmiegen. Es rauscht durch unseren Schlaf  ein feines Wehen wie Seide, der weltalte Traum Segnet uns beide.“ Else Lasker-Schüler „Die Liebe“

Wenn Katharina Thalbach nach dem Adagio für Klaviertrio in Es-Dur „Notturno“ D 897 von Franz Schubert Ingeborg Bachmanns „Erklär‘ mir Liebe“ rezitiert und mit Rainer Maria Rilkes „Liebenden“ und „Liebeslied“ zu einem Kranz bindet, beginnen zwei Künste zu flirten, einander zuzuflüstern, sich behutsam umeinander zu drehen. Wie ein buntes Ringelspiel oder Wagners im Kreise sich aufbauschendes „O sink hernieder Nacht der Liebe“ aus „Tristan und Isolde“. Ahnungen und Stimmungen, Katharina Thalbachs Sprachklang und die expressive Rhetorik des Feininger Trios, folgen einander auf Schritt und Ton. Kontrastreich. Die Texte und die Musik wollen einander nicht ergänzen, sie erzählen von sich selbst und animieren sich gegenseitig. Anstacheln und anfeuern, Mut machen: Der erste Satz „Allegro con fuoco“  aus Chopins Klaviertrio in g-Moll Op. 8 und Else Lasker- Schülers „Fortissimo“ stimmen in ein kräftiges Duett ein.

Ja überhaupt die Lyrikerin Else Lasker-Schüler und ihre poetische Freundschaft für Gottfried Benn:  Ihrem „Giselher, dem Nibelungen“, öffnet sie in aufwühlend rauschhaften Gedichten ihr Herz.

„Als ich Tristan kennen lernte“, „An den Gralsprinzen“, „An den Ritter aus Gold“ markieren  Worturwälder der Liebe, exotische Buchstaben-Ranken der Leidenschaft wie aus dem Nirwana. Dieser Tristan ist allerdings der 1915 im Ersten Weltkrieg in Russland gefallene platonisch verehrte Dichter Hans Ehrenbaum-Degele. Eine imaginäre Verlustangst und Tod klopfen an die Tür: „Was soll ich tun, wenn du nicht da bist. Von meinen Lidern tropft schwarzer Schnee; Wenn ich tot bin, spiele du mit meiner Seele.“ „Scherzo“ und „Adagio“ aus Frédéric Chopins Klaviertrio in g-Moll wissen dazu mehr, unergründlich, von grauer Tiefe unter dem Spiegel der Wasseroberfläche, das Heitre unverwandt in vorgewittriges Sturmmoll verdüsternd, süß und schmerzlich zugleich, das ‚stretto pesante‘ nach Versöhnung dürstend.

Auch im Leben gibt es Abschied, so von Benn 1933 als dem Nazi-Regime Zugeneigten. Else Lasker-Schüler musste aus Deutschland fliehen, in die Schweiz, später nach Israel, wo sie 1945 starb. Ja, „Was hat die Liebe mit der Saison zu tun?“ Das finale „Allegretto“ aus Chopins Klaviertrio hält mit Virtuosität, tänzerisch perlender Kraft und melancholische Wissen um Lust und Vergänglichkeit entgegen. Katharina Thalbach schließt mit den Sonetten 23, 43 und 56 von William Shakespeare (Übersetzung Karl Kraus) sowie Bertold Brechts schönem Gedicht „Die Liebenden“. Vorhang zu für Kranich und Wolke: „Dass also keines länger hier verweile, so dass der Kranich mit der Wolke teile, den schönen Himmel, den sie kurz befliegen.“

Dieses erstmals bei den Osterfestspielen Baden-Baden aufgeführte Programm wurde 2016 in den Teldex Studios (Musik und Texte getrennt) aufgenommen. Der leise singende Ton der Helene Weigel Schülerin Katharina Thalbach kontrastiert mit dem romantisch kräftigeren, dichten Lautgepränge des Feininger Trios (Adrian Oetiker Klavier, Christoph Streuli Violine, David Riniker Cello), zu beider Vorteil, wie ich meine. Ist doch die Liebe von heftigsten Eruptionen und größten Gegensätzen durchzogen. Dramaturgin Brigitte Landes meint dazu: „Die leidenschaftlichen Gedichte sprechen miteinander von Anziehung und Zurückweisung, von Sehnsucht, Liebe, Abschied und Tod. Sie erzählen eine Liebesgeschichte vom Aufflammen der Leidenschaft bis zu ihrem Verglühen.“ Hier hat die Frau das Wort, die Männer kontern im Trio. Eine Empfehlung.

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