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Erste Retrospektive zu Jugenstil-Pionier Hans Christiansen. Ausstellung in der Künstlerkolonie Mathildenhöhe DarmstadtBis heute steht Hans Christiansen im Schatten seiner Zeitgenossen Henry van de Velde, Joseph Maria Olbrich und Peter Behrens. Dabei prägte der 1866 in Flensburg geborene Christiansen den Jugendstil maßgeblich. Seine Coverzeichnungen für die Zeitschrift „Jugend“ oder auch die Sammelbilder, die er für den Kölner Schokoladenfabrikanten Stollwerck entwarf, machten ihn bekannt.

1899 berief ihn Großherzog Ernst Ludwig weg von Paris nach Hessen an die Künstlerkolonie Mathildenhöhe in Darmstadt. Gemeinsam mit Joseph Maria Olbrich und Peter Behrens gehörte Christiansen damit zu den ersten sieben Mitgliedern der Kolonie. Hier zeigt sich Hans Christiansen als vielfältiger Künstler: Malerei, Architektur, angewandte Kunst, Glasmalerei, Keramiken oder Schmuck entstanden nach seinen Vorstellungen. Bereits 1901 entwarfen die Künstler im Rahmen der Ausstellung „Dokument Deutscher Kunst“ komplett durchgestaltete Wohnhäuser als Gesamtkunstwerke, darunter Christiansen auch seine „Villa Rosen“. 1911 verließ er Darmstadt allerdings wieder, um im mondänen Kurort Wiesbaden sein Glück zu versuchen.

In der ersten Retrospektive zu Hans Christiansens Werk zeigt die Mathildenhöhe Bilder und Originalteile des im Zweiten Weltkrieg zerstörten Hauses sowie weitere Objekte seines umfangreichen Schaffens, darunter auch unbekannte Werke wie die Mode- und Plakatentwürfe aus den zwanziger Jahren.

Weil er mit einer Jüdin verheiratet war, endete Hans Christiansens Erfolg abrupt 1933. Mit Berufsverbot belegt, hielt er zu seiner Frau und konnte sie retten, starb aber schließlich selbst kurz vor Ende des Krieges an einer Lungenentzündung, weitgehend vergessen.

Die Schau in Darmstadt ist der Auftakt einer Ausstellungsreise: Zu sehen sein werden die Werke Hans Christiansens im Anschluss auch im Bröhan Museum in Berlin, in der Villa Stuck in München und im Museum Flensburg.

Der Deutschlandfunk positiv: „Die Ausstellungsmacher haben viel recherchiert und in einer unglaublichen Arbeitsleistung miteinander korrespondierende Objekte aus vielen Privatsammlungen herbeigeschafft – so sieht man einmal Christiansen Entwurf für einen Kragen, dann den Kragen selbst, dann das Bildnis seiner Frau, die eben diesen Kragen trägt.“

Deutschlandradio Kultur meint: „Christiansen: Sicher nicht der größte Kreative aus der Pionierzeit der Mathildenhöhe, aber wahrscheinlich der größte Liebende. Wiederentdeckt in einer sehr gelungenen Werkschau.“

SWR online begeistert: „Es gibt wunderschöne Keramik-Skulpturen von beschwingten Jugendstilfrauen, tanzende Mädchen auf Teppichen, florale Wanddekorationen und Möbel für einen goldenen Salon.“

Hans Christiansen. Die Retrospektive.
Ausstellung bis zum 1. Februar 2015

Mathildenhöhe Darmstadt
Olbrichweg 13a
64287 Darmstadt

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag 11 – 18 Uhr
Montag geschlossen

5 Euro/3 Euro

 

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