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Enthüllt. Berlin und seine DenkmälerLeonie Pfennig spürt in der Zitadelle Spandau Berlins steinerner Vergangenheit nach.

Es wurde um das Lenindenkmal am ehemaligen Leninplatz, jetzt Platz der Vereinten Nationen, schon viel Gewese gemacht. Es ging um Abriss, Zerstörung oder nicht, und wenn nicht zerstören: wohin damit? Als ehemalige Ostberlinerin, die 1978 auf dem Leninplatz vor dem Lenindenkmal an einer Zeremonie zur Aufnahme als Thälmannpionierin teilgenommen hatte, hat mich die Geschichte des Abbaus bis heute immer sehr beschäftigt. Man konnte sich den Medienberichten zudem auch nicht wirklich entziehen. Nicht, dass ich „Lenin & Co.“ gut finde. Hier geht es um persönliche Erlebnisse. Es ist schon verrückt, damals, 1978, fand ich es als 10-Jährige völlig normal, von einer Jungpionierin zur Thälmannpionierin zu werden.

Im Jahr 1991 wurde das Lenindenkmal abgebaut und der tonnenschwere Schädel, welcher aus rotem Granit besteht, in einem Waldstück in Berlin verbuddelt. Nach 24 Jahren holte man ihn wieder hervor und jetzt ist er in der Dauerausstellung „Enthüllt. Berlin und seine Denkmäler“ in der Zitadelle Spandau zu besichtigen.

Die Ausstellung ist sehr spannend. In der Alten Kaserne erhält man ausführliche Informationen nicht nur zu Lenin, sondern zu verschiedenen Denkmälern, die teilweise noch stehen bzw. abgebaut wurden. Bei den meisten handelt es sich um Statuen aus dem Zeitraum um 1945 und später (Ostberlin, Westberlin, Maueröffnung, Wiedervereinigung). Im Proviantmagazin schlendert man dann durch verschiedene Säle und Epochen. Die Denkmäler sind toll in Szene gesetzt. Es macht Spaß, durch die Geschichte zu wandeln, angefangen im 18. Jahrhundert bis heute. Empfangen wird man von Königin Luise, welche imposant auf einem riesigen Sockel aufgestellt ist. Weiter geht es z.B. vorbei an „Albrecht der Bär“ und einer kleinen Eule, der leider ihr kleines Schnäbelchen abhandengekommen ist.

Kommt man im letzten Ausstellungssaal an, wird einem ganz mulmig. Der Saal strahlte auf mich eine unangenehme Enge aus. Gleich am Eingang steht das „Denkmal Grenzposten“ und hinten links liegt der Leninkopf. Es erinnert alles an die Stadtteilung. Seine eigene Vergangenheit wird man eben nicht los. Man kann sich aber damit beschäftigen.

Auf jeden Fall lohnt sich ein Besuch in der Zitadelle Spandau. Man kann dort weit mehr als Denkmäler sehen und auch den Juliussturm besteigen oder den Fledermauskeller besuchen.

Zitadelle Spandau
Am Juliusturm 64
13599 Berlin

Alle Fotos © Leonie Pfennig

 

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