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Man kennt seine üppigen Blumenbilder, die Stillleben und norddeutsche Landschaften. Sigfried Lenz hat ihm in seiner „Deutschstunde“ ein Denkmal gesetzt als verfolgter Künstler: Emil Nolde (1867-1956). Dass dieses Bild nicht stimmt, wissen wir längst. Nolde begrüßte 1933 die Machtergreifung der Nazis, trat der Arbeitsgemeinschaft Nordschleswig bei. Dennoch wurde er ab 1941 mit Berufsverbot belegt. Nolde durfte seine Bilder weder ausstellen noch verkaufen – und dennoch gelang es ihm, trotz des Malverbots, gefällige, unpolitische Bilder zu schaffen und davon zu leben. Zusätzlich hatte er bereits 1938 damit begonnen, seine „ungemalten Bilder“ – kleine Aquarellzeichnungen – in Öl zu übertragen.

Das Frankfurter Städel widmet dem Künstler derzeit eine umfangreiche Retrospektive. Es ist die erste in Deutschland nach 25 Jahren. Die Schau ermöglicht einen umfassenden Blick auf das Gesamtwerk des Künstlers. Zu sehen sind rund 140 Arbeiten – Gemälde, Aquarelle und Druckgrafiken – mit expressionistischen Landschaften, rauschenden Berliner Nachtszenen und exotischer Südsee sowie religiösen Darstellungen, darunter auch Arbeiten, die erstmals ihr Heimatmuseum in Seebüll verlassen haben wie das Altarwerk „Das Leben Christi“ aus den Jahren 1911/1912.

Deutschlandradio Kultur meint: „Das Städel-Museum präsentiert neben den „Klassikern“ diverse Werke von Nolde, die man guten Gewissens als „schräg“ bezeichnen könnte: Dinge, die bisher nie oder selten gezeigt wurden und die bewusste Deformation und die Malwut auf die Spitze treiben. […] Das Spätwerk von Nolde hat süßliche Züge, aber noch immer zeigt sich hier ein Maler, der wie in jungen Jahren ungewöhnliche und verführerische Farbklänge inszeniert.“

FAZ net hält fest: „Diese Ausstellung ist mehr als eine Retrospektive. Das erste Mal in der Geschichte der Bundesrepublik werden Noldes Bilder in einem Museum gezeigt, ohne dass sie vom Haus verklärt werden, ohne dass sie ein Mythos verstellt.“

Die Frankfurter Rundschau online resümiert: „„Emil Nolde. Retrospektive“, so lautet der Titel. Er könnte nicht lapidarer sein. Doch die Schau im Frankfurter Städel hat es mit all ihren Facetten in sich und zeigt keinen unschuldigen Künstler.“

Emil Nolde. Retrospektive.
Ausstellung bis zum 15. Juni 2014

Städelmuseum Frankfurt
Schaumainkai 63
60596 Frankfurt am Main

Öffnungszeiten:
Dientsag, Mittowch, Samstag, Sonntag: 10.00–18.00 Uhr
Donnerstag und Freitag: 10.00–21.00 Uhr
Montag geschlossen

12 Euro/10 Euro