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Barbara Hoppe sprach mit dem scheidenden Intendanten des Staatsballetts Berlin.

In seine Intendanz am Staatsballett fielen die Inszenierungen „Dornröschen“, „Vielfältigkeit. Formen von Stille und Leere“, „White Darkness”, „Herrumbre“, „Castrati“, „Der Nussknacker“ sowie die Kreationen „Static Time“ und „Erde“. Seine Choreographien waren stets elegant im Stil, oft melancholisch im Ausdruck, immer mit dem Fokus auf das zeitlos Moderne im Tanz. Nun heißt es Abschied nehmen von dem Spanier, der 2014/2015 nach Berlin kam.

Foto © COSTAS

Feuilletonscout: Herr Duato, mit 2018 geht Ihre Intendanz am Staatsballett Berlin zu Ende. Auf welche Premieren bzw. Highlights von Ihnen darf sich das Publikum zum Abschied freuen?
Nacho Duato: Gerade, am 29. April, hatte meine letzte abendfüllende Choreographie „Romeo und Julia“ Premiere in der Staatsoper Unter den Linden. Nun konzentrieren wir uns auf die letzte Premiere der Spielzeit „Doda | Goecke | Duato“ am 24. Mai 2018 in der Komischen Oper Berlin. Und im Juni feiern wir mit einer Ballettwoche, es werden fünf Produktion innerhalb einer Woche gespielt, vom 15. Bis 21. Juni 2018.

Feuilletonscout: Wie haben Sie sich „Romeo und Julia“ genähert? Eher klassisch oder modern?
Nacho Duato: Ich wollte „Romeo und Julia“ auf moderne Art inszenieren, die bekannte klassische Version entstauben. Dabei ist mir wichtig, der Geschichte zu folgen und die verschiedenen Charaktere darzustellen.  Es wird nicht auf Spitze getanzt, sondern erdig und geschmeidig.

Feuilletonscout: Was ist das Besondere von Serge Prokofieffs Komposition zu„Romeo und Julia“?
Nacho Duato: Ich finde, die Partitur Prokofieffs ist das Beeindruckendste, das je für die Ballettbühne geschaffen wurde. Ich folge einfach der Komposition, in ihr findet sich jede Bewegung und jedes Bild dieser tragischen Geschichte.

Feuilletonscout: Was verbirgt sich hinter „Por vos muero“, das Sie zusammen mit Werken von Gentian Doda, Ihrem Assistenten und Ersten Ballettmeisters und Marco Goecke, seit 2013 Hauschoreograf am Nederlands Dans Theater, zeigen?
Nacho Duato: „Por vos muero“ ist ein Zitat aus einem Gedicht von Garcilaso de la Vega, einem Dichter des Siglo de Oro, der spanischen Renaissance. Auch die Musik stammt aus dieser Zeit und die Kostüme sind davon inspiriert. Ich wollte eine Hommage kreieren an das, was der Tanz im 16. Jahrhundert den Menschen bedeutete. Es ist ein Gefühl des Volkes. Arm- und Körperhaltungen sind teilweise aus Gemälden inspiriert, ansonsten soll das Ambiente dieser Zeit entstehen.

Staatsballett Berlin “Romeo und Julia” © Fernando Marcos

Feuilletonscout: Wenn Sie auf die Jahre in Berlin zurückblicken: Welches Fazit ziehen Sie? Was war besonders schön? Was war schwierig? Würden Sie etwas anders machen?
Nacho Duato: Schwierig fand ich die Tatsache, dass die Compagnie auf drei Bühnen tanzt und so ein fixer Identifikationspunkt fehlt, für das Publikum wie auch das Ensemble. Besonders schön war, dass ich Werke von Choreographen wie Ohad Naharin, George Balanchine und Jiří Kylián aufführen konnte. Ich denke die Compagnie hat sich geöffnet für ein breiteres Spektrum von Tanz, die Tänzer sind wirklich gut. Anders machen würde ich nichts, denke ich.

Feuilletonsocut: Wie sind Ihre weiteren Pläne?
Nacho Duato: Ich gehe wieder nach Spanien und werde dort eine Stiftung aufbauen, die Tänzer und den Tanz fördert und sich um mein Werk kümmert. Da meine Arbeiten weiterhin weltweit gespielt werden, habe ich nun die Zeit, die Einstudierungen selbst zu erarbeiten.

Vielen Dank für das Gespräch, Nacho Duato!
Das Interview von Barbara Hoppe mit Nacho Duato erschien in ähnlicher Form in den „Berliner Bühnen“ hier

„Romeo und Julia“ am  26. Mai und am 12. Juni 2018 an der Staatsoper Unter den Linden
Doda | Goecke | Duato („Por vos muero“) am 24., 27. Mai und 1., 8. Juni 2018 in der Komischen Oper Berlin
Weitere Informationen zum Ticketkauf und zu den Spielstätten direkt auf der Website des Hauses hier 

 

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