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Ein Feuilletonscout-Interview von Barbara Hoppe

Ein Moment mit ... Manfred Honetschläger, Komponist und PosaunistEr komponiert und arrangiert, spielt Posaune, liebt Jazz ebenso wie Kammermusik und entspannt bei gutem Essen in der Familie. Im Interview gibt Manfred Honetschläger Einblick in sein abwechslungsreiches Musikerleben.

Feuilletonscout: Wie haben Sie Ihre Liebe zur Posaune entdeckt?
Manfred Honetschläger: Das war eher ein Zufall oder Unfall – aber ein guter: Wer zu spät kommt, wenn beim neu gegründeten Jugendorchester die vorhandenen Instrumente verteilt werden, der muss die Posaune ( anstatt des attraktiveren Saxophons ) nehmen, was ich als braves Kind auch widerspruchslos hingenommen habe  – daraus wurde eine große Liebe für das Blechblasinstrument .

Feuilletonscout: Sie spielen als Posaunist in Sinfonie- und Opernorchestern, in Jazz – Formationen und Bigbands, Sie komponieren Kammermusik oder Jazz-Messen und arrangieren Filmmusik mit dem Filmorchester Babelsberg, sind bei Crossover-Projekten dabei wie mit Bela B., Sie unterrichten Jazz und Popularmusik an der Musikhochschule Frankfurt. Verlieren Sie nicht manchmal den Überblick?
Manfred Honetschläger: Mein Interesse an vielen musikalischen Disziplinen erfordert ständiges Lernen, Üben des Instruments und Weiterentwicklung. Ich habe deshalb das Unterrichten aufgegeben und studiere lieber selbst: ich höre viele Konzerte und Aufnahmen, schaue in die Partituren großer Orchesterwerke und lese Fachliteratur. All diese Aktivitäten laufen auch nicht gleichzeitig ab. Es gibt Kompositions – und Orchestrationsphasen , bei denen ich lange alleine im stillen Kämmerlein sitze – und dann die praktische Arbeit bei Proben, Konzerten und Studioproduktionen .

Feuilletonscout: Was macht Ihnen davon am meisten Spaß?
Manfred Honetschläger: Der Mix macht es. Wenn Musiker meine Stücke spielen habe ich oft schon neue Ideen für weitere Kompositionen und freue mich auf den Schreibtisch. Beim Schreiben denke ich daran, wie das Ensemble die Partitur umsetzen wird und freue mich auf Proben und Konzerte.

Feuilletonscout: Hören Sie auch Kritik, dass Sie sich nicht auf eine Sache konzentrieren? Dass Sie zwischen den Genres wechseln?
Manfred Honetschläger: Ich bewundere Kollegen, die sich ausschließlich einer Sache widmen, kann selbst aber bei interessant klingenden Projekten einfach nicht nein sagen. Den Vorwurf mangelnder Geradlinigkeit lasse ich mir gerne gefallen.

Feuilletonscout. Woher nehmen Sie die Kraft für diese vielfältigen Aktivitäten?
Manfred Honetschläger: Ich habe das Glück, – ohne große Abhängigkeiten von kommerziellen Vorgaben – als professioneller Musiker leben zu können.  Und ich genieße dieses Glück, indem ich beispielsweise einen Tag lang komponiere, Material „ jage und sammele“ , ohne einen Fertigstellungstermin zu haben, einfach nur auf dem Instrument übe oder über ein neues Konzertprogramm nachdenke. Diese Tätigkeit, die hier und da natürlich auch anstrengend sein kann, macht mir auch noch an einem zwölfstündigen Arbeitstag Spaß.

Feuilletonscout: Haben Sie manchmal Angst, dass Ihnen die Ideen ausgehen?
Manfred Honetschläger:  Überhaupt nicht, Ideen und Inspirationen fliegen ja überall herum und müssen nur in eine Form gebracht werden, die ich allein bestimmen kann.

Feuilletonscout: Wo oder was sind Ihre Inspirationsquellen?
Manfred Honetschläger:  Beispielsweise die Stille eines Konzerthauses, die Bühne und die warme Farbe der Holzverkleidungen sind wie ein leeres Blatt, das man in der Phantasie mit Ideen füllen kann.

Feuilletonscout: Wie muss man sich den Weg vorstellen von der Idee zum fertigen Projekt, zur Komposition oder Arrangement?
Manfred Honetschläger: Derzeit arbeite ich an einer Suite für Jazzensemble, die im Zusammenhang mit einem Text von John von Düffel steht. Der Text wiederum bezieht sich auf den Roman HERZ DER FINSTERNIS von Joseph Conrad. Neben John von Düffels Textvorlage interessiert mich an der englische Originalversion der Klang und Rhythmus der Sprache, der mich kompositorisch inspiriert.
So entstehen erste Skizzen, die später für das Ensemble orchestriert werden und in den Gesamtablauf des Abends, eine Folge von gelesenem Text und Musik, eingefügt werden.

Feuilletonscout: Wie entspannen Sie?
Manfred Honetschläger: Ich koche gerne mit der Familie und freue mich wenn Kinder und Freunde am Tisch sitzen. Seit einigen Jahren segele ich mit einer Jolle auf dem Main und hier und da auch auf größeren Segelschiffen.

Feuilletonscout: Wenn Sie unterrichten – was geben Sie Ihren Studenten mit auf den Weg?
Manfred Honetschläger:  Studenten gebe ich den Rat, die handwerklichen Voraussetzungen schnellstens zu erlernen, um im professionellen Bereich bestehen zu können. Mit einer festen Beschäftigung als Ensemble- Musiker oder Lehrer kann man sich unbeschwert mit kreativen Dingen beschäftigen.

Feuilletonscout: Haben Sie einen musikalischen Traum ?
Manfred Honetschläger: Mein musikalischer Traum ist immer wieder die Arbeit am nächsten Thema und der Wunsch, etwas zu schaffen, mit dem ich am Ende zufrieden bin. Zum Träumen gehört immer auch der Albtraum vom Scheitern. Ein bisschen Alexis Zorbas versuche ich in mir zu tragen – um Träume auch auszuleben.

Feuilletonscout: Was wären Sie geworden, wenn nicht Musiker und Komponist?
Manfred Honetschläger: Ich interessiere mich für Architektur, für Baustoffe, Materialien und Oberflächen, etwas in der Baubranche hätte ich auch gerne gemacht.

Vielen Dank für das Gespräch, Manfred Honetschläger!

 

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