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Die Kunst ist ein Fest! Karel Appel im Musée d’Art Moderne in ParisAnlässlich einer Spende von 21 Werken aus der Karel Appel Stiftung in Amsterdam eröffnet das Muée d’Art Moderne eine historische Retrospektive des holländischen Künstlers, von den Anfängen in der Gruppe CoBrA bis zu seinem Tod 1986. Von Stephan Reimertz

Als Karel Appel 85-jährig in Zürich starb, unterhielt er drei große Ateliers, zwei in den USA und eines in der Toskana. Nicht nur sein Lebens- und Arbeitsstil, auch seine Formate waren inzwischen überdimensional geworden. Der im Amsterdam geborene Maler und Bildhauer wohnte und arbeitete im Laufe seines Lebens in verschiedenen Ländern. Dabei sollten Paris und New York für seine Entwicklung besonders wichtig werden. In Paris war er 1948 Mitbegründer der Künstlergruppe CoBrA, der auch Künstler wie Asger Jorn oder Pierre Alechinsky angehörten. Zusammen suchten sie einen direkten emotionalen Stil in der Malerei, der akademische und kulturelle Vorstellungen ablehnen wollte. Diese für uns heute so typische agogische Gegenstandslosigkeit der fünfziger und sechziger Jahre wirkt auf den heutigen Betrachten bei weitem nicht mehr so wild wie auf die Zeitgenossen.

Das kann man auch in den zahlreichen Exponaten aus jenen Jahren sehen, welche die Retrospektive Karel Appel – L’art es tune fête! derzeit im d’Art Moderne in Paris zeigt. Es ist die wilde Abstraktion unsere Großväter und Urgroßväter –  Bilder, die über Nierentischen hingen. Nachdem sich Appel jedoch schon 1951 von CoBra löste, um von nun an geographisch und künstlerisch eigene Wege zu gehen – ihn sollten vor allem die politischen Ideologien der Künstlerkollegen gestört haben – zeigt sich, dass in den Anfängen mit CoBrA einerseits der spätere Appel schon steckte, andererseits noch Entwicklungsmöglichkeiten zutage treten sollten, die man als gigantisch bezeichnen darf. Die Formate werden jetzt immer größer, ja gewaltig, die Farben frischer und direkter.

Was die Malmaterialen angeht, bleibt Karel Appel für einen Wilden recht konventionell. Er hält sich vor allem an Öl auf Leinwand, wenn er auch bisweilen Holzfigurinen bemalt und seltsame Totemfiguren schafft, durch die er den Künstler wieder in die Nähe des Priesters und Eingeweihten rückt. Gilt seine Vorliebe während der CoBrA-Zeit seltsamen und lustigen Tieren, denen ein gewisser Infantilismus nicht fremd ist, wird er um 1960 mit dem Eulenmann N°1 schon sehr viel experimenteller. Die Figur, in Acrylfarbe auf den Stumpf eines Olivenbaumes gemalt, rückt Appel in die Nähe französischer »Wilder« wie Jean Dubuffet und seiner Art brut. Ist auch eine Familienähnlichkeit all dieser Tiere, Menschen und seltsamen Wesen der Phantasie unverkennbar, lässt sich Karel Appel doch von keinerlei Grenzen beschränken; diese sind für ihn nur dazu da, um überschritten zu werden.

Die Kunst feiert das Leben als herrlich, als weder gut noch böse. Appel steigert sich besonders in seinem Spätwerk in New York in Großformate hinein, wie sie auch sein dort lebender Landsmann Willem de Koonig bevorzugte, der allerdings sehr viel gegenständlicher malte. Die Kunst ist ein Fest? Ja, und diese Kunst feiert das Leben, das wiederum rücksichtslos und ausschließlich sich selbst feiert. Es ist ein großes Verdienst des Pariser Musée d’Art, die Spende der 21 Werke aus der Karel Appel Stiftung Amsterdam zum Anlass genommen zu haben, diesem großen, kraftvollen Künstler des zwanzigsten Jahrhunderts eine Retrospektive zu widmen. Appel, der lange in Paris gelebt hat, ist damit wieder zurückgekehrt.

Karel Appel. L’Art est une fête!
Ausstellung bis zum 20. August 2017

Musée d’Art Moderne de la Ville Paris
11, Avenue du Président Wilson
75116 Paris

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag: 10 bis 18 Uhr
donnerstags geöffnet bis 22 Uhr

 

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