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Was haben enkoffeinierter Kaffee und die Böttcherstraße in Bremen gemeinsam? Sie haben denselben Erfinder: Im Jahr 1900 war es, als der steinreiche Kaffeekönig Ludwig Roselius beschloss, eine kleine Gasse hinter dem Bremer Marktplatz zu kaufen und nach seinen Vorstellungen umzugestalten. In dem rund 100m langen Straßenverlauf hinunter zur Weser waren einst Böttcher, Fass- und Zubermacher zu Hause.

Das größte und schönste Haus – heute heißt es Roselius-Haus – machte er zur guten Stube der Straße: In ihm befinden sich im Ambiente eines Bürgerhauses Kunst aus dem Mittelalter, dem Barock und der Renaissance, darunter Werke von Lukas Cranach und Tilmann Riemenschneider. Mit dem Künstler Bernhard Hoetger fand er einen Architekten, der der Böttcherstraße ihren unverkennbaren Charakter gab –  mit Stilrichtungen vom Altgermanischen bis Art Déco, von Backsteingotik bis zur Moderne. 1927 vollendet, gilt das Paula-Modersohn-Becker-Haus als sein Meisterstück. Es ist das weltweit erste Malerinnen-Museum, verwinkelt angeordnet, mit Innenhöfen und Springbrunnen. Ihn ihm erwartet den Besucher eine der größten Sammlungen der Künstlerin mit rund 69 Werken.

Die ZEIT (32/2012) konstatiert: „Was das Gesamtkunstwerk Böttcherstraße so einzigartig, so sehenswert macht, ist ihr Eklektizismus aus gesammelter und gebauter Historie, die Gebrochenheit eines Sammelsuriums aus versteinerter Ideologien- und Kunstgeschichte, aus Handwerksethos und kapitalistischem Kommerz. […] Nordischer Nebel, protestantische Klarheit und moderne Firmenphilosophie sind hier auf einzigartige Weise verknäult.“