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„Der blonde Eckbert“ als Tanztheater in GießenEs ist ein Märchen aus der Frühromantik: „Der blonde Eckbert“ gehört zu den unheimlichsten Texten von Ludwig Tieck, neben dem „Runenberg“. Tieck begründete damit 1797 die Form des Kunstmärchens, gedacht als Auflehnung gegen die Aufklärung. In den Geschichten spielen unheimliche Vorgänge eine Rolle. Dinge, die tatsächlich auf Schuld zurückzuführen sind oder doch nur dem Wahn oder einer Fantasiewelt des Protagonisten zu entspringen scheinen.

Das Stadttheater Gießen – seit der letzten Spielzeit mit neuer Dramaturgin in der Sparte Tanztheater – bringt das Verwirrspiel um Wahn und Wirklichkeit nun auf die Bühne. Maite Beisser, lange Jahre im Verlagswesen und als Feuilletonschreiberin tätig, entschied sich in der Reihe „Literatur trifft Tanz“ für das Märchen Tiecks in einer Choreographie von Paolo Fossa. Sieben Tänzer interpretieren die Geschichte um Eckbert und seiner Frau Bertha, die in großer Waldeinsamkeit leben und nur einen Freund, Walther, haben. Als dieser sie besucht, offenbart das Paar Walther ein dunkles Geheimnis: Als Kind lebte Bertha bei einer alten Frau, die einen Vogel besaß, der jeden Tag einen Edelstein legte. Daneben gab es den Hund Strohmian. Doch Bertha flieht nach sechs Jahren von der Alten, nimmt die Edelsteine, lässt den Hund zurück und tötet den Vogel. Walther nun kennt den Namen des Hundes, obwohl Bertha ihn in ihrer Erzählung unerwähnt ließ, was bei Eckbert großes Misstrauen hervorruft. Er tötet den Freund, Bertha erkrankt und stirbt. Eckbert verzweifelt, findet zwar neue Freunde, doch die Vermischung von Wahn und Wirklichkeit ist nicht mehr aufzuhalten.

Der Gießener Anzeiger lobt: „Schnell, quirlig und expressiv: So lässt sich die jüngste Tanzpremiere auf der taT-Studiobühne des Gießener Stadttheaters beschreiben.“

Tanznetz.de hält fest: „Das ist kein Tanzstück zum Wohlfühlen, aber eines mit nachhaltiger Wirkung, auch dank der Nähe zum Publikum. Durch das üppige visuelle Angebot, das ohne Pause auf die Zuschauer eintrommelt, unterstützt durch suggestive Musik und Lichtregie hinterlässt das eindringliche Spiel der sechs Akteure atemlose Spannung. Oder doch Verspannung? Selbst durchleben möchte man das jedenfalls nicht, aber dafür ist Theater ja da, für symbolisches Handeln.“

Alle Termine hier.

Stadttheater Gießen
Berliner Platz
35390 Gießen

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