GD Star Rating
loading...

 

Die junge Geigerin Gina Keiko Friesicke freut sich auf ihr Solo-Debut im Hertener Schloss am 17. Juni.
Mit Stefan Pieper sprach die junge Künstlerin über Ziele, Entdeckerlust und vieles mehr.

Gina Keiko Friesicke ist 15 Jahre jung. Ihr Traumziel fürs Leben ist klar definiert, nämlich Geigerin zu werden. Aber dies ist sie genau genommen längst bzw. schafft sie sich schon jetzt die Grundvoraussetzung für dieses hohe Ziel: bereits heute zu den allerbesten zu gehören. Soeben hat das in Detmold lebende Ausnahmetalent zum zweiten Mal den Bundeswettbewerb von Jugend musiziert mit bester Punktzahl abgeschlossen. Auch stand sie schon vor mehreren internationalen Sinfonieorchestern, unter anderem in der Schweiz und in den USA auf dem Solistenpult und belegte Meisterkurse bei Midori und Ana Chumachenko.

Am 17. Juni 2018 steht für sie eine Premiere ins Haus: Ein großes Solo-Recital zusammen mit dem Pianisten Christian Köhn und phasenweise auch ganz allein auf der Bühne. Auf dem Programm im Rahmen der renommierten Hertener Schlosskonzerte stehen Bravourstücke, an denen sich internationale Größen messen. Und vor dem Hertener Schloss wird ein Übertragungswagen stehen, denn das Konzert wird für die zeitnahe Ausstrahlung auf der Kulturwelle WDR 3 mitgeschnitten.

Feuilletonscout: Hast Du besondere Bilder im Kopf, wie das Konzert im barocken Saal des Hertener Schlosses sein wird?
Gina Keiko Friesicke: Ich habe hier ja schon ein Konzert als Zuhörerin erlebt. Es ist ein sehr schöner Ort, auf den ich mich sehr freue.

Feuilletonscout: Ich denke Du kannst Dich zu Recht darauf freuen. Das Publikum an diesem Ort ist sehr aufgeschlossen und begeisterungsfähig. Bist Du schon aufgeregt?
Gina Keiko Friesicke: Ja, das bin ich natürlich – aber vor allem freue ich mich auf das Konzert! Vor allem, weil es mein erster „echter“ Solo-Auftritt ist.

Feuilletonscout: Wie hast Du die Wettbewerbe erlebt?
Gina Keiko Friesicke: Wettbewerbe fördern die Gabe und den Willen, sich selber ein Ziel zu setzen. Alle Vorbereitungen konzentrieren sich auf einen Moment. Wenn ich dann wirklich gut vorbereitet bin, dann ist das Wettbewerbsspiel auch gar nicht schlimm, sondern macht viel Spaß.

Feuilletonscout: Bei Dir ist es ja wirklich gut losgegangen mit der angehenden Profikarriere schon im jungen Alter. Hast Du ein Erfolgsrezept? Ist es Fleiß allein oder hast Du besonders viel Glück gehabt?

Gina Keiko Friesicke: Da kommt sicherlich vieles zusammen. Ich empfinde es als ein großes Geschenk, dass ich so viele Menschen hatte, die mich gut gefördert haben. Das sind vor allem meine Eltern, die selber Musiker sind und mein Talent sehr früh entdeckt haben, meine Mutter vor allem. Ich bin auch meinen verschiedenen Lehrern dankbar, die haben wohl vieles richtig gemacht.

Feuilletonscout: Deine Mutter ist Japanerin. Siehst Du bei Dir selbst einen „typisch japanischen“ Wesensanteil? Vielleicht einen, der unmittelbar eine bestimmte künstlerische Haltung prägt?
Gina Keiko Friesicke: Da muss ich etwas überlegen. Doch – auf jeden Fall! Da ist die Sache mit der Disziplin. Wenn ein Ziel gesetzt ist, dann führt in der japanischen Mentalität der Weg auch dahin und es wird nicht vorher schon aufgehört oder unterbrochen. Mir hat eine starke Orientierung auf ein Ziel schon oft sehr gut getan.

Feuilletonscout: Was sind Deine weiteren Ziele? Wo möchtest Du in Deinem Leben hinkommen?
Gina Keiko Friesicke: Mein Traum wäre es, Geigerin zu werden.

Feuilletonscout:Was hat sich jetzt schon verändert?
Gina Keiko Friesicke: Es hat sich alles ganz normal verändert, wie bei jedem jungen Menschen auch. Mit fast 16 spielt man nicht mehr draußen. Ich übe mehr. Aber ich gehe ganz normal zur Schule, treffe mich regelmäßig mit vielen Freunden.

Feuilletonscout: Wie gehen Deine Freunde mit Deiner Begabung und Deinen ehrgeizigen Projekten um?
Gina Keiko Friesicke: Sie bewundern dies und unterstützen mich, vor allem mental. Auch wenn sie selber nicht so einen starken Draht zur Musik haben.

Feuilletonscout: Werden sie zum Konzert in Herten kommen?
Gina Keiko Friesicke: Natürlich!

Feuilletonscout: Du hast von der Stiftung Deutsches Musikleben soeben eine „neue“ Violine bekommen. Was kann dieses Instrument besser? Oder anders gefragt: Was kannst Du auf diesem Instrument besser zum Ausdruck bringen?
Gina Keiko Friesicke: Sie passt besser auf meine Hände, die Tonabstände kommen mir sehr gelegen. Der Klang ist einfach wunderbar intensiv. Aber ich brauchte eine Zeit, bis ich mich dran gewöhnt hatte.

Feuilletonscout: Beim Programm, was Du in Herten aufbietest, bleibt einem erst mal die Luft weg. Kannst Du sagen, welches Dein Lieblingsstück hier ist?
Gina Keiko Friesicke: Ich liebe sämtliche Stücke sehr. Aber wenn ich einen Favoriten bestimmen soll, dann fällt meine Wahl am ehesten auf die Solosonate von Eugène Isaye. Sie ist für mich ein sehr aktuelles Musikstück, dass ich jetzt gerade erst neu gelernt habe. Vom Schwierigkeitsgrad her rangiert es mit den anderen Stücken auf Augenhöhe. Aber es liegt eine besondere Konzentration darin, nicht zuletzt weil ich es ganz alleine spiele. Sehr mitreißend finde ich, dass eine extrem mächtige Tonfolge, nämlich der Choral vom Jüngsten Gericht, auch Dies Irae genannt, sämtliche Sätze durchzieht.

Foto © Gina Keiko Friesicke

Feuilletonscout: Mit Lutoslawskis Stück Subito hast Du auch ein sehr modernes Stück im Programm. Wo liegt die Herausforderung?
Gina Keiko Friesicke: Beim ersten Lesen der Noten erscheint bei moderner Musik vieles komplizierter und unverständlicher als bei klassischen Stücken. Aber das weitet den Horizont und hinterher macht es immer umso mehr Spaß.

Feuilletonscout: Wie lange brauchst Du, um ein solches Meisterwerk zu erarbeiten?
Gina Keiko Friesicke: Fertig wird man eigentlich nie mit einer Komposition. Ich kann ein ganzes Leben lang immer neue Fragen an ein Stück stellen. Da gibt es so viel zu entdecken.

Feuilletonscout: Was hast Du als Musik Spielende den nur Hörenden voraus?
Gina Keiko Friesicke:  Vor allem empfinde ich die menschliche Komponente als großes Glück. Ich kann auf der Konzertbühne anderen Menschen etwas weiter geben.

Feuilletonscout: Wo möchtest Du Dein Publikum hin bringen?
Gina Keiko Friesicke:  Ich möchte erreichen, dass es meine Interpretation eines Werkes versteht und sich dafür öffnet.

Feuilletonscout: Wie gefällt Dir Dein Studium an der Musikhochschule Detmold?
Gina Keiko Friesicke:  Ich bin sehr froh, dass ich hier sehr viele unterschiedliche Dinge lerne, sowohl mit dem Instrument, als auch darüber hinaus. Schön, dass auch Improvisation auf dem Instrument dazu gehört!

Feuilletonscout: Wie lässt sich Dein Dasein als konzertreife Musikerin und Jungstudentin mit der Schulausbildung vereinen?
Gina Keiko Friesicke:  Das geht eigentlich ganz gut. Ich möchte auf jeden Fall mein Abi machen. Die Lehrveranstaltungen am Konservatorium sind ja nachmittags. Das lässt sich miteinander vereinbaren.

Feuilletonscout: Gibt es in der allgemeinbildenden Schule einen gescheiten Musikunterricht?
Gina Keiko Friesicke:  Nein! (lacht…)

Feuilletonscout: Würdest Du sagen, dass das intensive Musizieren bei Dir auch andere Fähigkeiten fördert?
Gina Keiko Friesicke:  Ich glaube, dass Musik machen auch die Motorik und geistige Beweglichkeit im allgemeinen sehr unterstützt. Das bedeutet aber leider nicht, dass sich die Mathe-Aufgaben von alleine lösen (lacht)…

Vielen Dank für das Gespräch, Gina Keiko Friesicke!

Sonntag, 17.Juni 2018, Hertener Schloss.
Direkt im Anschluss findet der „After Concert Talk“ mit Ulrike Froleyks (WDR) im Barocksaal statt.

Programm:
Ludwig van Beethoven (1770-1827):
Sonate für Klavier und Violine F-Dur Opus 24 (Frühlings-Sonate)
Eugène Ysaye (1858- 1931): Sonate für Violine solo op. 27 No.2
Witold Lutoslawski (1913-1994): Subito (komponiert 1992) für Violine und Klavier
Edvard Grieg (1843-1907): Sonate für Klavier und Violine c-moll Opus 45
Pablo de Sarasate (1844-1908): Carmen-Fantasie Opus 25 für Violine und Klavier

Karten sind ab sofort in der Geschäftsstelle der Musikschule Herten erhältlich.
Der Eintrittspreis ist für alle Sitzkategorien einheitlich und beträgt 16 Euro.
Schülerinnen und Schüler bis 14 Jahre haben freien Eintritt.
Der „After Concert Talk“ ist im Preis inbegriffen.

Kontakt:
Musikschule Herten
Konrad-Adenauer-Straße 23
Tel.: (0 23 66) 303 517
Fax: (0 23 66) 303 547
E-Mail: musikschule@herten.de

Bei Verwendung des Textes bitte Quelle angeben bzw. verlinken.

 

„Das Entdecken hört nie auf!“, 4.8 out of 5 based on 5 ratings