GD Star Rating
loading...

 

Ein Ausstellungsbesuch von Barbara Hoppe.

Japan ist ein Land, das irritiert: Traditionen treffen auf moderne Lebensformen, die vor allem in den großen Städten zu finden sind. Die Einheitlichkeit in und die enge Bindung an die Arbeitsstätten stehen im Widerspruch zu der Suche nach Individualität. Und so trifft man beim traditionellen Kirschblütenfest auf viele Japanerinnen, die im Kimono unter den blühenden Bäumen spazieren, während sich im Tokioter Stadtteil Ginza die Plastik-Pop-Manga-Anhänger auf die Füße treten. Es entsteht der Eindruck, als hätte es einen Bruch in der japanischen Kulturgeschichte gegeben: Wer aus Westeuropa kommt und bei Japan an Geishas, Teehäuser, Tempel und Kaiser denkt, liegt zwar nicht ganz falsch. Richtig ist diese Eindimensionalität allerdings auch nicht. Aber wie vereinen sich diese vor allem optisch so unterschiedlichen Extreme einer Gesellschaft?

Eine Erklärung liefert derzeit das Übersee-Museum in Bremen. „Cool Japan – Trend und Tradition“ heißt die Ausstellung, die Licht ins Dunkel bringt. Denn so weit liegen Vergangenheit und Gegenwart gar nicht auseinander. Schon in der Edo-Zeit (1600 – 1868), als Edo (das heutige Tokyo) unter dem Tokugawa-Shōgunat an Einfluss gewann, bestimmten Künstler, Schauspieler und Geishas Modetrends. Schönheitsideale entstanden und die japanische Küche bildete sich heraus. Heute sind es Manga, Pokémon und  Anime, die als Vorbilder und Stars das Leben der Japaner beeinflussen. Nicht mehr der Kimono, sondern Street-Fashion bestimmt das Straßenbild. Populärer Zeitvertreib ist nicht mehr das Kabuki-Theater, sondern sind Karaoke und Sudoku.

Cool Japan, Samurai der Edo-Zeit © Übersee-Museum Bremen, Foto: Volker Beinhorn

 

Die Schau zieht diese Linien nach und wir verstehen: Es gibt keinen Bruch zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Nur die Optik hat sich verändert. Eine Optik, die einen eigenen japanischen Stil herausgebildet hat, der über die Jahrhunderte immer schon sehr eigen war und uns nur irritiert, weil aus dem verklärten Alt-Japanischen ein schrilles Pop- und Plastikgetümmel wurde. Künstlich war es damals wie heute. Es ist eine lehrreiche Reise, auf die uns das Übersee-Museum schickt, die sich in jedem Fall lohnt. Prächtige Kimonos und Samurai-Rüstungen, Theaterkulissen, Holzschnitte, Mangas, Roboter und aktuelle Mode hält die Schau bereit. Das Land des Lächelns – wir verstehen es nach dem Besuch ein bisschen besser.

Cool Japan – Trend und Tradition
Ausstellung bis zum 1. Mai 2018
Katalog zur Ausstellung

Übersee-Museum
Bahnhofsplatz 13
28195 Bremen

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Freitag: 9 bis 18 Uhr
Samstag und Sonntag: 10 bis 18 Uhr
Montag: geschlossen

6 Euro/5 Euro

„Cool Japan – Trend und Tradition“. Das Bremer Übersee-Museum bringt uns das Land des Lächelns näher, 5.0 out of 5 based on 1 rating