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Coco Chanel (1883-1971) – zahlreiche Biographen versuchten sich an ihrer Lebensgeschichte, Regisseure inspirierte sie ebenso. Nun gibt es zwei neue Biographien, die die Rätsel um die Legenden der Mademoiselle Chanel lüften wollen.

Die britische Journalistin Justine Picardie legt den Schwerpunkt ihrer Recherchen auf die jungen Jahre der späteren Stil-Ikone, die nach dem Tod der Mutter als Elfjährige in ein Kloster abgeschoben wurde, sich – gerade volljährig – mit reichen Männern einließ, die sie protegierten und durch die sie den dekadenten Lebensstil kennen und zu nutzen lernte, um schließlich über ein erstes Hutgeschäft zur Modezarin zu werden – nebst prominenten Affären und Liebhabern.

Picardies Biographie ist mit vielen Fotographien bestückt, der auch Karl Lagerfeld Skizzen von Coco Chanel in verschiedenen Lebenslagen beisteuerte.

Dennoch kritisiert Zeit online: „Schade, dass Picardie die Anfänge der Karriere äußerst flüchtig abhandelt. Plötzliche ist aus dem kleinen Hutsalon auf der Pariser Etage eine Boutique geworden, […] Aber wie – und wo entsteht die Kollektion überhaupt? […] Wer bringt ihr das Zeichnen der Entwürfe bei? […] Nichts davon.“

Süddeutsche online urteilt: „In ihren späteren Jahren trat Coco Chanel deshalb mit Schriftstellern und Journalisten ins Gespräch, die ihre Lebensgeschichte aufschreiben sollten und denen sie über ihre zahlreichen Freunde und Liebhaber Auskunft gab.Diese umfänglichen Mitteilungen sind ein unverzichtbarer Quellenfundus, aus dem sich die britische Autorin Justine Picardie so ausführlich bedient, dass ihre Biographie über weite Strecken anmutet wie eine Collage von Zitaten. Dies verschafft der jetzt vorgelegten Darstellung von Chanels Leben […] eine große Genauigkeit und Transparenz, strapaziert aber auch gelegentlich die Geduld des Lesers.“

 
Justine Picardie:
Coco Chanel. Legende und Leben
Zeichnungen von Karl Lagerfeld
a.d. Englischen v. Gertraude Krüger u. Dörthe Kaiser
L.S.D. im Steidl Verlag, Göttingen 2011

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Der amerikanische ehemalige Geheimdienstoffizier Hal W. Vaughan untersucht Coco Chanels Rolle während des Zweiten Weltkriegs genauer. Nach seinen Recherchen sei Chanel eine Nazi-Spionin gewesen, die aktiv Agenten angeworben und zudem Liebesaffären mit hochrangigen deutschen Offizieren gehabt haben soll. Doch heißt es auch, dass sie aus Berechnung gehandelt habe, um ihren Neffen aus eine NS-Lager heraus zu bekommen.

Zeit online: „Doch die Belege für Chanels Rolle als Überzeugungstäterin bleiben vage.“

FAZ net resümiert: „Ihr ein Doppelleben als Agentin nachzusagen, wie Vaughan es tut, greift dennoch daneben. Ihre erste Madrid-Reise wurde ihr zur Befreiung ihres Neffen abgepresst, und die zweite trug im Schilde hehre Ziele. […]  Wenn Coco Chanel ein Doppelleben führte, dann war es das einer modernen, von der asketischen Gefühlskälte ihres jugendlichen Klosterlebens infizierten Frau, die eine stellare Modekarriere mit einem erfüllten Liebesleben unter einen Hut zu bringen suchte. Doch das ist eine andere Geschichte.“

Hal W. Vaughan
Coco Chanel. Der schwarze Engel.
Ein Leben als Nazi-Agentin
Hoffmann & Campe, Hamburg 2011

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