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Die Besucher der Salzburger Pfingstfestspiele bejubeln Cecilia Bartoli in Giacchino Rossinis L’italiana in Algeri. Die Primadonna assoluta liegt nackt im Schaumbad und verteilt Spaghetti an die italienische Fußballnationalmannschaft. Von Stephan Reimertz.

Es sind unsere eigenen Algerier, die aus den Vorstädten von Köln und Berlin, die da in Jogginganzügen auf der Bühne stehen und Fernseher und Videogeräte in Kartons hin- und hertragen. Den Regisseuren Moshe Leiser und Patrice Caurier ist eine entzückende Inszenierung von Rossinis frühem Meisterwerk L’italiana in Algeri (Die Italienerin in Algier) gelungen, die soeben bei den Salzburger Pfingstfestspielen Premiere hatte und die mehrmals bei den Sommerfestspielen wiederholt werden wird. Der Grund für das Gelingen besteht neben der präzisen Personenregie vor allem darin, dass uns hier echter Humor präsentiert wird anstatt des in der Opernregie sonst üblichen humorlosen Witzelns. Innenräume und Kleidung, die man sonst ungern sieht, so farbharmonisch und raffiniert zu präsentieren, dass man gern hinschaut, ist das paradoxe Prinzip dieser Inszenierung. Der Bühnenbildner Christian Fenouillat und Agostino Cavalca, der für die Kostüme verantwortlich zeichnet, haben entscheidenden Anteil an diesem großen Erfolg. Alle Darsteller der Neuinszenierung wurden in Salzburg bejubelt, und als die Intendantin der Pfingstfestspiele und Primadonna assoluta Cecilia Bartoli zum Schlussapplaus auf die Bühne trat, kannte die Begeisterung keine Grenzen.

 

L’italiana in Algeri 2018: Edgardo Rocha (Lindoro), Cecilia Bartoli (Isabella), Alessandro Corbelli (Taddeo), Peter Kálmán (Mustafà)
© Salzburger Festspiele / Monika Rittershaus

Sind Sie ein Pappataci?

Die warmherzige und unprätentiöse Ausstrahlung der Römerin und ihre entwaffnenden Vitalität konnte man auf der Bühne des Kleinen Festspielhauses – derzeit: »Haus für Mozart« – zuletzt im Sommer in Händels Ariodante bewundern, wo sie als Dame mit Bart wilde Tänze aufführte. Nun spaziert sie voller sprezzatura – es fehlt nur noch die Zigarette im Mundwinkel – mitten in einen Orient hinein, von dem sie sich weder imponieren noch einschüchtern lässt. Peter Kálmán in der Rolle des Scheichs Mustafà, von der Regie als Unterschichts-Macho von vorgestern aufgezogen – kann sie als gestrandete Italienerin Isabella allzu leicht an der Nase herumführen und sich seinen vermeintlichen Ansprüchen mit List entziehen und ihn nach Strich und Faden hinters Licht zu führen. Sogar als pappataci wird er bezeichnet, das ist eigentlich eine Stechmücke, heißt hier aber so viel wie: »Papa, halt’s Maul!« Dazu entfalten Regie und Bühnenbild ein Feuerwerk witziger Einfälle, die überzeugen und amüsieren und sich von den sonst so abgedroschenen Maschen unterscheiden, die wir sonst auf der Opernbühne sehen müssen. Das versenkbare Kamel gehört ebenso dazu wie der verdreckte Mercedes, mit dem Scheich Mustafà spazierenfährt. Alle Klischees kommen dran, werden aber gekonnt durch den Kakao gezogen. Dies ist vor allem möglich durch die subtile Farbabstimmung von Bühne und Kostümen. Leider folgt die Inszenierung der derzeit grassierenden Mode von Videoeinspielungen. Da jedoch der Ausschnitt aus Fellinis La dolce vita kurz ist, hält sich auch die Frustration in Grenzen. Der Philharmonia Chor Wien und das Ensemble Matheus mit Lucca Quintavalle am Hammerklavier schlagen sich unter der Leitung von Jean-Christophe Spinose tapfer durch die problematische Akustik dieses Hauses. Hinreißend ist Cecilia Bartoli nackt im Schaumbad, schnell vergeht der Abend, und wenn Cecilia als Isabella Spaghetti an die italienische Fußballnationalmannschaft verteilt, ist es schon 22 Uhr, und der Hunger meldet sich auch beim Zuschauer. Das beste italienische Restaurant in Salzburg ist übrigens … (Fortsetzung folgt in unseren Besprechungen der Sommerfestspiele…)

Giacchino Rossini: L’italiana in Algeri.
Weitere Aufführungen am 8.,11.,14.,16. und 19. August 2018
bei den Sommerfestspielen in Salzburg
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Cecilia Bartoli begeistert Algier und Salzburg, 5.0 out of 5 based on 1 rating