Gespenstisch schön: Musik für Harfe solo oder Harfe und Streichquartett, von Emmanuel Ceysson

Rezension von Ingobert Waltenberger. Musik und sie inspirierende Schauergeschichten, das richtige Album für laue Sommernächte oder eher prickelnde Sommermorgen nach durchfeierter Nacht? Das Motto des Albums „Aus Dunkelheit zum Licht“ wird ja nicht unbedingt mit perlendem Harfenklang assoziiert. Aber ein wenig gespenstisch darf die musikalische Reise von Henriette Renié, André Caplet über Gustavo Leone bis […]

Rafael Kubelik: Sämtliche Aufnahmen

Mustergültige Edition des akustischen Studio-Nachlasses eines der größten Künstler des 20. Jahrhunderts. Von Ingobert Waltenberger. „Ein Vogel singt nicht im Käfig“ Alles atmet frei in Kubeliks Interpretationen, ist elastisch, auf inneren Ausgleich bedacht. Wie die ganz Großen seiner Zunft vermag Kubelik höchste Präzision mit eigenen sofort wieder erkennbaren Duftmarken, einer persönlich höchst unverwechselbaren Aura zu […]

Opernweltpremiere: Ricky Ian Gordeon „The House without a Christmas tree“

Liveaufnahme aus der Houston Grand Opera Dezember 2017. Von Ingobert Waltenberger. Da soll eine/r noch sagen, die Oper lebt nicht. Während in Europa selten zu erlebende Uraufführungen ein Riesenspektakel darstellen, zumindest medial, ist in den Vereinigten Staaten von Amerika offenbar ein unverkrampfterer und kulinarisch ergiebigerer Zugang zur Kunstform Oper möglich. Ein Beispiel gefällig? Die 1955/56 […]

Alles andere als depressiv: Les Cris de Paris „Melancholia“

Von Ingobert Waltenberger. „Wer ist nicht verrückt? Wer kennt sie nicht, die Melancholie? Wer ist von ihr nicht auf die eine oder andere Wiese berührt?“ Robert Burton, Die Anatomie der Melancholie 1621 Das neue Album des formidablen französischen a cappella-Ensembles „Les Cris de Paris“ ist italienischen und englischen Meisterwerken der polyphonen Avantgarde rund um 1600 […]

„LIEBÉИ“: Vladimir Korneev singt von der Sehnsucht – französische Chansons, russische Romanzen und neue deutsche Lieder

 Von Ingobert Waltenberger. Eigentlich hat er ja einen prächtig granulierten klassisch ausgebildeten Bariton mit jener so exotisch aufregenden slawischen Dunkelheit auf goldroter Grundierung, dieser aus Georgien stammende Schauspieler, Sänger, Pianist, Entertainer, Charmeur und Verführer aller Klassen. Dreimal wiederholt der lasziv-melancholische Wuschelkopf, der schon Mal in einem Schweizer Tatort als Killer Pjotr Sorokin dem Publikum das […]

Lebenslust und Seelenschmerz: “War & Peace – 1618:1918”

Rezension von Ingobert Waltenberger. „Wei ick zuhause viel jehungert habe, gab schließlich ick der heiljen Kunst mir hin – tach, tach, tach stolz nenn ick mir ,Das Mädchen aus dem Jrabe‘, jenannt ,Fakira‘ Hungerkünsterlin.“ Die Hungerkünstlerin/Friedrich Holländer Nicht nur Battaglien, also musikalische Schlachtengemälde, oder klangvolle Beschwörungen der Wonnen von Frieden werden auf diesem Doppelalbum gefeiert. […]

Zeitgeist im Kriminalroman: Giorgio Scerbanenco “Das Mädchen aus Mailand”

  Gerade wird seine Tetralogie um den Ermittler Duca Lamberti neu aufgelegt. Es ist Zeit, den Begründer des italienischen Kriminalromans, Giorgio Scerbanenco, neu zu entdecken findet Ingobert Waltenberger, der von „Das Mädchen aus Mailand“ begeistert ist. „Er schaute Davide nicht an, es war ihm egal, ob er ihm zuhörte oder nicht, er sprach vor sich […]

Claude Debussy: „Harmonie du soir – Lieder”

  Debussy …et le Jazz. Von Ingobert Waltenberger. Auf neun Publikationen ist es schon angewachsen, das große Projekt an Neuaufnahmen der Musik von Claude Debussy mit Künstlern des Labels in zumindest beabsichtigt künstlerisch und aufnahmetechnisch maßstabsetzenden Alben. Orchester- und Kammermusik standen bislang im Vordergrund. Auf zwei neuen CDs stellen Sophie Karthäuser (Sopran) und Stéphane Degout […]

Franui: Ständchen der Dinge –„ Geht es immer so weiter?“

  Jubiläumsalbum zum 25. Geburtstag der genialisch österreichischen Musicbanda. Von Ingobert Waltenberger. „Wenn du einen Trauermarsch viermal so schnell spielst, ist er eine Polka“ Christian Seiler Fette Wiener Cremetorte und Tiroler Speckknödel, Zentralfriedhof und Landkirtag, Anverwandlungen von Liedern der Romantik mit Franz Schubert als Muserich, Gestampftes, Geblasenes, Gestrichenes, Gezupftes, Gepfiffenes, Gesungenes und Gesprochenes, all das […]