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Abseits des Mainstreams: Jessica Kuhn hat gemeinsam mit Elisabeth Kuffrath und Moritz Eggert ein Ensemble gegründetVor fünf Jahren gründete die Cellistin Jessica Kuhn die Konzertreihe sonorizzonte , in der sie selten gespielte Stücke zur Aufführung bringt. Nun hat sie noch einmal nachgelegt: mit ihren Künstlerkollegen Elisabeth Kufferath und Moritz Eggert gründete sie das ensemble sonorizzonte.

Feuilletonscout: Nach fünf Jahren Konzertreihe sonorizzonte gibt es nun auch ein ensemble sonorizzonte. Gemeinsam mit der Bratschistin Eilsabeth Kufferath und dem Pianisten und Komponisten Moritz Eggert sind sie die Stammbesetzung, zu der je nach Programm weitere Musiker hinzukommen. Warum haben Sie sich entschlossen, ein Ensemble zu gründen?
Jessica Kuhn: Zusammen mit gleichgesinnten Musikern ein Ensemble zu gründen bedeutet für mich, bestimmte Vorstellungen und Ideen zu manifestieren und ihnen eine Identität zu geben. Immer mit dem Ziel, diese in gemeinsamen Konzertprojekten lebendig werden zu lassen.
Hier bekommt das ein Zuhause, was sonorizzonte von Anfang an als Leitmotive hatte: das Aufspüren von unbekannten Komponisten und Werken, ungewöhnliche Programmzusammenstellungen, künstlerische Verwirklichung abseits des Mainstreams. Ein Ensemble verkörpert dabei noch stärker und eindringlicher seine Intentionen, als eine Konzertreihe das vermag. Darüber hinaus ist es einem Ensemble auch möglich, auf Konzertreise zu gehen und die außergewöhnlichen Programme in anderen Städten und Ländern aufzuführen.
Ensemble sonorizzonte hat sich zudem auf Alte und Neue Musik spezialisiert – was die Konzertreihe sonorizzonte bisher nicht getan hatte. Damit möchten wir diese beiden „Säulen“ der Musikgeschichte fokussieren, ihre Nähe und Distanz beleuchten, ihren unglaublichen Reichtum ausschöpfen.

Feuilletonscout: Sie haben mir einmal gesagt „Das Unbekannte, Unentdeckte hat für mich eine große Anziehungskraft“. Ist das bei ihren Mitstreitern ebenso und sind sie sich immer einig? Oder ist es gerade der Austausch untereinander, der immer wieder Neues zutage fördert?
Jessica Kuhn: Ich denke, jeder von uns hat seine eigenen Vorlieben und Beweggründe innerhalb seiner musikalischen Verwirklichung. Doch sicherlich eint uns eine Unerschrockenheit und Zielstrebigkeit, die den Weg oftmals vorgibt.
Und natürlich ist der konstruktive Austausch untereinander eine ganz wichtige Voraussetzung für fruchtbare Arbeit.

Feuilletonscout: Sie sind alle sehr beschäftigt und verfolgen vielfältige Projekte. Wie finden Sie Zeit füreinander?
Jessica Kuhn: Es funktioniert nur mit langer Vorausplanung und bester Organisation, wobei es natürlich nicht immer ganz leicht ist, alle unter einen Hut zu kriegen. Aber letztlich sind es ja auch gerade unsere  individuellen Aktivitäten, die jeden von uns ausmachen. Meiner Meinung nach gewinnt ein Ensemble dadurch an Charakteristik und Stärke.

v.l.n.r. Elisabeth Kufferath, Jessica Kuhn, Moritz Eggert / © Jessica Kuhn

Feuilletonscout: Was treibt sie an?
Jessica Kuhn: Die immer wieder aufs Neue erlebte und bestätigte Erfahrung der unermeßlichen Kraft der Musik.

Feuilletonscout: Was sind die nächsten Pläne von Jessica Kuhn, dem ensemble sonorizzonte und Ihrer Konzertreihe?
Jessica Kuhn: Meine Tätigkeiten außerhalb von sonorizzonte spielen sich unter anderem im „Neuen Ensemble“ Hannover und im „Klangforum“ Heidelberg ab – Spezialensembles für Neue Musik. Und da stehen spannende Konzerte und Projekte mit diversen Uraufführungen an, unter anderem in New York im April 2018 mit dem „Klangforum“.
Mit ensemble sonorizzonte arbeiten wir verschiedene Programme aus, in denen Uraufführungen auch von Münchner Komponisten vorgesehen sind sowie ein Konzert zu Ehren Bernd Alois Zimmermanns, der nächstes Jahr seinen 100. Geburtstag feiern würde. Stets wird auch die Alte Musik eine Rolle spielen, und es soll auch reine Barockkonzerte mit Viola da Gamba, Theorbe und Barockcello geben. In diesem Fall dann natürlich zusammen mit meinen Barockkollegen.
Das ensemble sonorizzonte steht in Zukunft für die Konzertreihe sonorizzonte und wird in unterschiedlichen Spielorten in und um München Konzerte und Festivals veranstalten. Die Regelmäßigkeit hängt dabei allerdings nicht unwesentlich von den Mitteln ab, die jeweils neue beantragt werden müssen. Doch wir sind zuversichtlich, dass sonorizzonte auf einem guten Weg ist

Vielen Dank für das Gespräch, Jessica Kuhn!

Alle Konzerttermine auf der Homepage der Künstlerin hier.