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Ein Feuilletonscout-Interview von Barbara Hoppe

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© MASCH

Seine Bilder sind ausdrucksstark und kraftvoll. Als Set Painter beherrscht er die Akribie, genau nach Vorgabe zu arbeiten. (Oscar für das beste Bühnenbild 2015 „The Grand Budapest Hotel“).
Der Künstler MASCH lebt und arbeitet in Berlin. Mit 24 Jahren hatte er seine erste Ausstellung. Das war 1974. Bis heute ist seine Schaffenskraft ungebrochen. Ab dem 6. Oktober sind seine Arbeiten für wenige Tage in Berlin zu sehen.

Feuilletonscout: MASCH, wie würdest du selbst deine Kunst beschreiben?
MASCH: Vergänglichkeit darzustellen. Den Betrachter auf eine innere Zeitreise mitzunehmen. Erinnerungen an schöne und weniger schöne Momente im Leben. Eine griffige Bezeichnung für meine Arbeiten gibt es eigentlich nicht. Die Titel meine Bilder bilden eine Art „Eselsbrücke“ und sind metaphorisch gedacht.

Feuilletonscout: Deine Bilder sind eher abstrakt, aber sehr ausdrucksstark, oft mit kräftigen Farben. Bei der letzten Ausstellung  in einer Privatwohnung wirkten die Räume ungewohnt voll. Woher kommt diese Kraft in deinen Bildern?
MASCH: Ich denke, die „Kraft“, wie Du sagst, ist auf die Oberfläche zurückzuführen. Sie wirkt zum großen Teil archaisch. Es hat auch etwas mit den Sehgewohnheiten der Menschen zu tun, die Kunst betrachten. Meine Arbeiten stellen Zeitreisen dar. Sie deuten darauf hin, dass alles um uns herum mit uns altert. Meine Idee war, den Alterungsprozess an einem bestimmten Punkt zu stoppen. Bei einigen Bildern ist (noch) Farbe sichtbar – bei vielen nur noch eine verrottete Oberfläche zu sehen.
Meine Bilder bieten keine Lösungen, sind Experimentell. Sie zeigen den Jetzt-Zustand von Vergänglichkeit.

The Partition of feelings mixed media on canvas 170x130 cm

The Partition of feelings mixed media on canvas 170×130 cm

Feuilletonscout: Du malst, zeichnest und schaffst Skulpturen. Hast du selbst eine Präferenz oder gibt es bestimmte Phasen für die eine oder andere Ausdrucksweise?
MASCH: Ich habe ja bereits in meinen Bildern die Möglichkeit, dreidimensional zu arbeiten, daher drängt es mich weniger, parallel dazu Skulpturen zu schaffen. Aber Plastiken und Skulpturen herzustellen, interessiert mich natürlich nach wie vor.

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DESIRE – 14×10 cm, ink, pencil, watercolor, pastel on paper

Feuilletonscout: Was inspiriert dich?
MASCH: Mein Gedächtnis, meine Erinnerung. Ich mache Kunst aus meiner Lebenserfahrung, richte mich nach nichts und niemand.

Feuilletonscout: Vom 6. bis zum 9. Oktober sind deine Werke im Rahmen der Gemeinschaftsausstellung  „International Contemporary Artists“ @Berlin-Walls zu sehen. Wie ist diese Kooperation entstanden?
MASCH: Ein befreundeter Künstler fragte mich, ob ich dort mit ihm und anderen ausstellen möchte. Ich schaute mir die Location an und sagte daraufhin zu.

Feuilletonscout: Du arbeitest auch immer wieder in den Filmstudios Babelsberg und bist als Set Painter bei großen Hollywoodproduktionen dabei. Wie arbeitet man dabei? Genau nach Vorgabe? Oder kannst du auch eigene Ideen einbringen?
MASCH: Das ist ein komplexes Thema. Ich werde vom Art Departement als Kunstmaler engagiert. Meine Aufgabe ist, nach genau vorgegebenen Vorlagen zu malen. Eigene Gestaltungsmöglichkeiten sind sehr beschränkt. Hinzu kommt, dass man stets unter enormen Zeitdruck arbeitet, das macht die Sache nicht einfacher. Trotzdem ist es eine tolle Sache, wenn man später seine Arbeiten im Kino anschaut. Als spannender Nebeneffekt, lernt man berühmte Hollywood Stars hautnah kennen.

BULL - height 19 cm, iron, 1993

BULL – height 19 cm, iron, 1993

Feuilletonscout: Was ist dein künstlerischer Traum?
MASCH: Um ehrlich zu sein, wünsche ich mir nur die nötige Gesundheit, noch bis ins hohe Alter Kunst machen zu dürfen, die den Menschen etwas gibt. Mich weiter zu entwickeln, steht an erster Stelle.

Feuilletonscout: Wie sind deine nächsten Pläne?
MASCH: Ich bin ein Künstler, der nach vielen Jahren gelernt hat, im hier und jetzt zu arbeiten. Ich dränge mich zu nichts. Wenn sich etwas Spannendes ergibt, bin ich sehr spontan. Als größte Herausforderung sehe ich meine Ungeduld. Wie man sieht, spielt der Begriff „Zeit“ eine maßgebliche Rolle in meinem Leben, als Künstler, als auch als Privatmensch.

Danke, MASCH, für dieses Interview!

Contemporary Artists @Berlin-Walls
Willner Brauerei
Berliner Straße 80 – 82
13189 Berlin

OPENING 06.10.2016
18 – 24 Uhr
07.10. 2016
16 – 22 Uhr
08.10.2016
16 – 22 Uhr
09.10.2016
10 – 16 Uhr

Und wer Lust hat, mehr von Masch zu sehen und zu hören, sollte bei Kunstleben Berlin vorbeischauen, den Wegweiser durch die ausschweifende Berlin Kunstszene von Masch und Romy Campe.

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