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„Terror“ von Ferdinand von Schirach macht das Publikum zum Richter. Schauspiel in Frankfurt und Berlin

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Schauspiel Frankfurt_logoMacht sich jemand schuldig, der 164 Menschen in den Tod Deutsches Theater Berlin Logoschickt, um 70.000 anderen das Leben zu retten? Diese Frage stellt Ferdinand von Schirach in seinem ersten Theaterstück „Terror“ und mit ihm die Regisseure des Schauspiel Frankfurt (Oliver Reese) und des Deutschen Theaters in Berlin (Hasko Weber). Zeitgleich fanden hier die Premieren statt. Und fast zeitgleich war das Publikum gefragt: Denn das Stück macht die Zuschauer zu Schöffen, die am Ende über „schuldig oder nicht schuldig“ entscheiden müssen.

Ist Lars Koch, Major der Bundeswehr, Kampfflieger, 31 Jahre, Familienvater, schuldig? Er stand im Mai 2013 vor einer schwierigen Entscheidung: Ein Flugzeug auf dem Weg von Berlin nach München wurde mit 164 Menschen an Bord von Terroristen gekapert und soll über dem vollbesetzten Olympiastadion zum Absturz gebracht werden. Darf er, soll er, Lars Koch, das Flugzeug abschießen, um die 70.000 am Boden zu retten? Er hat geschossen und muss sich dafür nun verantworten. Die Bühne ist der Gerichtssaal, in dem sich Anklage und Verteidigung mit Argumenten und Gegenargumenten befeuern. Und am Ende muss das Publikum abstimmen.

In beiden Häusern votierte es für Freispruch.

 

 

Spiegel online über die Uraufführung in Frankfurt: „Das Wesentliche, was sich über die Uraufführung von Oliver Reese am Schauspiel Frankfurt […] sagen lässt, ist, dass sie fehlerfrei wie am Schnürchen abläuft und die Regie sich auf der mit hellem Holz getäfelten, ins schwarze Passepartout der Bühnenbreite schmal eingeschnittenen Spielfläche […] nahezu unsichtbar macht. […] Prädikat: pädagogisch wertvoll.“

Zeit online über die Berliner Inszenierung: „Ferdinand von Schirachs Stück ist dort am besten, wo es den Konflikt auf den Extrakt konzentriert – das Spiel der Argumente, ein Gefecht ohne Berührung. […] Ist Schirachs Terror ein großes Stück? Nein, aber es fördert die Ehrfurcht vor großer Literatur: vor dem Gesetzestext, diesem Wunderwerk, das an jeder Tat neu seine Krallen und Begriffe schärft. […]In einem feierlichen Moment denkt der Zuschauer: Es gibt kein richtiges Handeln, aber solange wir um die richtigen Begriffe für diese Not kämpfen, sind wir nicht verloren. Terror ist ein Stück für eine Zeit ohne Helden.“

Schauspiel Frankfurt
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