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Foto: Mara Eggert

Foto: Mara Eggert

Schaut man auf die Liste der Kompositionen von Moritz Eggert, kommt man ob der Anzahl und Vielfalt aus dem Staunen nicht heraus: Bühnen- und Orchesterwerke, Kammer-, Vokal- und elektronische Musik, Filmmusiken. Und die Aufzählung ließe sich in den jeweiligen Kategorien noch endlos fortsetzen.

Im Interview mit dem Feuilletonscout verrät Moritz Eggert mehr über seine Inspirationsquellen beim Komponieren, wie er Streitgespräche mit sich selbst löst, warum Melodien so wichtig sind, das Komponieren mit Kindern echtes Können verlangt und es ihm Spaß macht, wenn er beim Wiener Opernball beschimpft wird.

Feuilletonscout: Beim Wort „Komponist“, denken die meisten Menschen vermutlich an Mozart, Beethoven, Verdi oder Strauß und haben in diesem Zusammenhang den Eindruck, als Komponist ist man so etwas wie ein „Wunderkind“. Wenn man sich Ihren Lebenslauf anschaut so fällt auf, dass Sie sehr viel studiert haben. Sie begannen 1975 und hatten 1990 Ihr ersten Kompositionsdiplom, danach ging es weiter: Meisterklasse, Studienaufenthalte in Italien und Frankreich. Was studiert man über diesen langen Zeitraum?
Moritz Eggert: Mit 10 Jahren war ich an Dr. Hoch‘s Konservatorium, wo ich Musik- und Theorieunterricht neben der normalen Schule bekam. Diese Zeit war eher eine Vorbereitung auf das Studium. Auch Mozart und Beethoven haben früh angefangen zu studieren und dann 20 bis 30 Jahre so weitergemacht. Was wenige wissen ist, dass sich Mozart noch kurz vor seinem Tod intensiv mit Bach beschäftigt hat, richtig lernte und Unterricht nahm. Strawinsky hat sich noch im hohen Alter mit Zwölftonmusik auseinandergesetzt und Schönberg-Bücher studiert. Studieren gehört einfach zur musikalischen Ausbildung dazu. Bei mir war es vielleicht insofern ungewöhnlich, weil ich nicht vorhatte, Musiker zu werden. Ich war am Konservatorium, hatte sehr guten Klavierunterricht, aber ich war nicht als Wunderkind unterwegs mit dem Ziel, als Musiker zu arbeiten. Eigentlich wollte ich andere Sachen machen. Dass ich mich so für die Musik begeisterte, kam erst mit 15, 16 Jahren.

Feuilletonscout: Was wollten Sie ursprünglich machen?
Moritz Eggert: Mich haben sehr viele Sachen interessiert. Ich merke auch jetzt, im fortgeschrittenen Alter, dass ich Dinge, für die ich mich früher begeistert habe, in meine Arbeit integriere. Schreiben, Filme und die Arbeit des Filmregisseurs haben mich interessiert. Irgendwann habe ich dann gemerkt, dass mir Musik wahnsinnig Spaß macht und habe auch in verschiedenen Jazz- und Rockbands gespielt. Ich habe dann allerdings bald festgestellt, dass ich mit meinem Können noch nicht so weit bin. Während dieser Zeit habe ich mich wahnsinnig konzentrieren müssen, habe viel geübt, 11 Stunden am Tag. Nach und nach hat sich mein Horizont dann erweitert.

Feuilletonscout: Sie haben schon damals Klavier gespielt?
Moritz Eggert: Ja. Ich habe aber auch mit Schlagzeug und Gesang experimentiert. Gesang mache ich heute noch. Aber mein Hauptinstrument war immer Klavier bzw. Keyboards.

Feuilletonscout: Wie kommen Ihnen die Ideen zu einer Komposition? Wie nähern Sie sich ihr? Ist die Vielfalt Ihrer Interessen eine Inspirationsquelle?
Moritz Eggert: Absolut. Als ich jünger war, hieß es immer von den Professoren: „Sind Sie jetzt eher Komponist oder eher Pianist?“ Und ich kenne viele Studienkollegen, die dann das eine oder andere aufgegeben haben. Ich habe mich ganz bewusst für beides entschieden, obwohl es wahnsinnig anstrengend war, weil jeder Hauptfachlehrer zufriedengestellt werden musste. Aber ich hatte einfach gemerkt, dass, wenn ich aufhöre Klavier zu spielen, mein Komponieren leidet und umgekehrt. Je älter ich wurde, umso mehr habe ich versucht, meinen Horizont zu erweitern – durch Dirigieren, Performen, Schauspielern, Singen. Einfach auch, um zu lernen, wie das für jemanden ist, der auf einer Opernbühne steht und meine Musik singt. Ich kann ganz anders schreiben, wenn ich selbst einmal diese Erfahrung gemacht habe. Das Schreiben von Texten wiederum hat mein Denken geschärft. Das alles hat sich gegenseitig beeinflusst. Ich bin jemand, der sich sehr schnell langweilt, und wenn ich stupide immer nur ein und dieselbe Sache mache, dann ist das nichts für mich. Wenn ich lange nicht Klavier gespielt habe, werde ich kribbelig und nervös. Genauso, wenn ich lange nicht komponiere. Das eine ruft immer nach dem anderen. Ich kann jemanden wie Helge Schneider verstehen, der ganz viele Instrumente gelernt hat (lacht).

Moritz Eggert_ Christian Hartlmeier

Foto: Christian Hartlmeier

Feuilletonscout: Und wo kommen die Ideen für Ihre Kompositionen her?
Moritz Eggert: Das ist eine typische Frage, die man nie beantworten kann, weil die Arbeit sehr intuitiv ist. Aber natürlich muss ich mir meinen Tag einteilen und mich so disziplinieren, dass ich Raum für mich habe. Ich habe Kinder, habe Verpflichtungen. Da muss ich mir Zeiten setzen, in denen ich kreativ sein muss. Aber die Ideen zu Stücken kommen natürlich ständig, tatsächlich beim Laufen oder unter der Dusche. Über die Stücke, an denen ich arbeite, denke ich immer nach. Und es kommen immer wieder neue Einfälle hinzu. Manchmal gestieren die Sachen sehr lange und ich merke, dass sie besser werden, je länger ich darüber nachdenke. Erst dann fange ich an, zu schreiben. Wenn es im Kopf klar ist, dann starrt man nicht mehr auf ein leeres Blatt Papier. Und dass einem nichts mehr einfällt, gibt es eigentlich nicht. Irgendwas ist da immer. Das Problem ist, dass man manchmal nicht das Zutrauen hat in das, was man schreibt und man deprimiert ist mit dem, was entstanden ist. Dann gerät man in Streit mit sich selbst.

Feuilletonscout: Wie lösen Sie solche Streitgespräche mit sich selbst?
Moritz Eggert: Dabei hilft dann wirklich die Routine. Als Student hat man noch Krisen gehabt, kam nicht weiter. Aber irgendwann stellt man dann fest, dass die Sachen, bei denen man sich total gequält hat, ziemlich gut und die Sachen, die man in einem Überschwang schrieb, häufig eher schwach sind. Die Art, wie ich an einem Stück gearbeitet habe, sagt nichts über die Qualität aus. Aber es gibt so etwas wie eine Intuition, bei der man zulässt, man selbst zu sein. Und wenn man eine gewisse Erfahrung hat, dann ist man nie richtig schlecht. Da muss man sich einfach drauf verlassen. Es gibt sicher auch im Vergleich schwächere Stücke von Beethoven oder Brahms, aber die sind trotzdem immer noch ziemlich gut. Der Charakter dieser Komponisten ist immer noch da. Man muss in einer schwierigen Phase einfach weiter machen. Oft sieht am nächsten Tag alles schon wieder ganz anders aus. Jedes Stück, selbst ein kurzes, hat so etwas. Meist in der Mitte. Es gibt sozusagen ein „Bergfest der Krise“. Darüber darf man nicht weiter nachdenken, sondern man muss einfach mit einem neuen Blick draufschauen. Häufig sind die Sachen dann gar nicht so schlecht wie man anfangs dachte.

Feuilletonscout: Zeitgenössischen Komponisten wird oft der Vorwurf gemacht, Ihre Stücke seien nicht melodiös genug und kein Hörgenuss, ungeachtet der Tatsache, wie virtuos viele Stücke sind, z.B. Ihr Klavierzyklus „Hämmerklavier“. Was entgegnen Sie solchen Kritikern?
Moritz Eggert: Ich finde, diese Menschen haben total Recht. Melodie interessiert mich sehr und heutzutage gibt es davon viel zu wenig. Melodie ist eines der großen unentdeckten Territorien des 20. und leider auch 21. Jahrhunderts. Das gilt übrigens genauso für die Popmusik. Ich glaube, es gab noch nie einen Zustand der Musik, der melodisch so schwach war wie im Moment, und zwar auf allen Ebenen, in allen Genres. Das 20. Jahrhundert war ein Jahrhundert des Klangs, der Klangerforschung, vielleicht auch des Rhythmusses, vor allem zu Beginn. Aber mit der Melodik ist es sehr schwierig. Das merke ich auch bei meinen Studenten, die sich damit sehr schwer tun. Nicht jedes Stück muss eine Melodie haben – beim „Hämmerklavier“ zum Beispiel geht es um Rhythmus und Performance. Melodie ist für mich das sprachliche Element der Musik. Es ist also ganz richtig, wenn Leute das einfordern.

 

Feuilletonscout: Sie selbst bewegen sich zwischen klassischen Festspielorten wie Salzburg, Frankfurter Oper und dem Wiener Opernball, immer mit eigenen Kompositionen. Ihre Musik erklang bei der Eröffnung der Fußballweltmeisterschaft 2006, hymnisch und durchaus melodiös. Außerdem haben Sie das Fußballoratorium „Die Tiefe des Raums“ komponiert. Was reizt Sie an diesem Wechselspiel zwischen konservativem Milieu auf der einen Seite und Massenspektakel wie Sport auf der anderen?
Moritz Eggert: Mir macht es Spaß, zeitgenössische Musik an Orte zu bringen, wo sie noch nie war. Gerade beim Wiener Opernball habe ich lange nachgedacht, ob ich das Angebot annehmen soll. Als sie dort meine Musik spielten, war es das allererste Mal, dass dort zeitgenössische Musik erklang. Der damalige Intendant der Wiener Staatsoper (Holender) hatte es als Provokation gewollt. Und es gab dann auch eine wahnsinnige Aufregung. Ich wurde von alten Damen mit Handtaschen angegriffen und geschlagen. Da war mordsmäßig was los. Das hat mir sehr viel Spaß gemacht, weil ich Musik einfach dorthin gebracht habe, wo sie noch nie war. Dasselbe gilt auch für die Fußballweltmeisterschaft. Normalerweise beauftragt man bei solchen Veranstaltungen Film- oder Werbekomponisten, die sehr glatte Sachen abliefern. Ich hatte bei der WM 2006 die Möglichkeit, mit Christian Stückl ganz frei zu arbeiten, unsere Ideen zu verwirklichen und das dann in einem Stadion vor 60.000 Leuten zu präsentieren. Ich will kein kommerzieller Komponist sein, weil dies kein Kriterium für Qualität für mich ist. Aber andere Räume suche ich schon, da ich sehr schnell gemerkt habe, dass zeitgenössische Musik immer nur auf bestimmte Kreise, Festivals, Rundfunkprogramme festgelegt ist. Das war mir immer zu wenig. Ich kann als Komponist nicht wachsen, wenn ich mich nicht einem Publikum aussetze, das von Wiener Schule und Schönberg nichts weiß. Das 20. Jahrhundert auf diese beiden Aspekte zu begrenzen, ist für mich ein abgegittertes Denken, das mir vollkommen fremd ist. Es war für mich immer klar, dass ich mich anderen Situationen und Räumen aussetzen muss und zum Beispiel auch mit 2Raumwohnung oder Entertainern wie Harald Schmidt zu arbeiten. Das waren immer Sachen, die vollkommen anders waren und bei denen ich sehr viel gelernt habe. Und das möchte ich auch weiterhin machen.

Feuilletonscout: Ihre Oper „Freax“ löste 2007 Kontroversen aus. Die Zusammenarbeit mit Christoph Schlingensief, der die Inszenierung übernehmen sollte, hat, so liest man, nicht funktioniert. Provozieren Sie gern?
Moritz Eggert: Ich denke, dass Provokation oder sagen wir Grenzüberschreitung in irgendeiner Form schon wichtige Mittel sind, um mit Kunst zu kommunizieren. Provokation auf Kommando und mit Ansage ist problematisch. Es gibt Kunst, die erstarrt in der Provokation. Natürlich ist es heutzutage leicht, zu provozieren. Ich muss nur bestimmte Themen anschneiden und schon regen sich die ersten auf. Unabhängig davon stelle ich fest: Wenn eine Sache relevant ist, kommen auch die Reaktionen aus dem Publikum. Ich selbst habe Konzert erlebt, in denen ich Sachen richtig gehasst habe. Erst viel später erkannte ich, dass sie mich eigentlich total begeistert hatten. Doch zunächst war da eine Abwehrreaktion. Das ist ungefähr so wie beim ersten Whisky. Da versteht man auch nicht, was daran toll ist. Man merkt eigentlich nur, dass er scharf ist und viel Alkohol hat. Erst später erkennt man den Geschmack, der darin steckt. Und so ist das bei Musik auch. Insofern bin ich nicht ärgerlich, wenn das Publikum erregt reagiert. Gerade ein gespaltenes Publikum ist das spannendste.

Feuilletonscout: Anfang Februar wird Ihr Stück „Puls“ in Israel aufgeführt. Erzählen sie davon und wie kam es zu der Aufführung in Israel?
Moritz Eggert: Das Stück habe ich für die Münchner Philharmoniker geschrieben. Zubin Mehta hat es uraufgeführt. Es ist ein sehr obsessives Stück, weil es einen durchgehenden Puls wiedergibt, einen Schlag, der zu Beginn ganz leise ist und immer schneller und lauter wird. Vielleicht ähnlich wie der „Boléro“, um ein populäres Beispiel zu geben. Das Stück hat Zubin Mehta wohl so gut gefallen, dass er es dem Dirigenten in Israel vorgeschlagen hat. Ich selbst habe mit der Aufführung gar nichts zu tun. Aber sie macht mich natürlich sehr glücklich, weil es für Komponisten immer sehr schön ist, wenn die Stücke einfach so gespielt werden. Ich bin gespannt, was darüber berichtet wird.

 

Feuilletonscout: Immer wieder arbeiten Sie auch mit Kindern. Gerade kam Ihre Komposition „Die Ankunft des Straßenkönigs“ in der Klangwerkstatt Berlin zur Uraufführung, ein Stück für Kinder zwischen fünf und neun Jahren, mit beliebig vielen Instrumenten und mehreren Stimmen: für Anfänger und für Fortgeschrittene. Wie kommt man auf eine solche Idee?
Moritz Eggert: Das resultiert aus einer sehr engen Bindung zu den Leitern der Jugendorchesterschule in Berlin, Martina und Rainer Feldmann. Dort setzt man sich auf vorbildliche Weise für klassische Musik mit Kindern und Jugendlichen ein und hat großartige Pionierarbeit geleistet, deswegen auch häufig politische Querelen ausstehen müssen. Ich bin der Meinung, dass diese pädagogische Arbeit unglaublich wichtig ist, heute mehr denn je. Und es ist genauso wichtig zu zeigen, dass zeitgenössische Musik von jedermann gespielt werden kann und trotzdem zeitgenössische Musik ist und nicht klingt wie vor hundert Jahren. Ich denke, dass dies Komponisten immer wollten. Aber es gibt in der zeitgenössischen Musik Bereiche mit einer so komplexen und raffinierten Sprache, dass es nicht einfach ist, sie zu kommunizieren. Denn natürlich wird Musik auch dadurch verbreitet, dass Menschen sie selbst spielen können. Der Stand der klassischen Musik heute hat ja auch damit zu tun, dass Hausmusik nicht mehr in der Form existiert.

Feuilletonscout: Was macht für Sie den Reiz aus, mit Kindern zu arbeiten? Oder komponieren Sie nur und geben die Umsetzung ab?
Moritz Eggert: Ich habe ganz viele Projekte für und mit Kindern und Jugendlichen gemacht, auch selbst geleitet. Da habe ich relativ viel Erfahrung. Ich weiß, dass es eine sehr anstrengende Arbeit ist, die aber auch sehr befriedigt. Die Kinderstücke, die ich gemacht habe, machen mich in gewisser Weise viel glücklicher als die Riesenopern für das gesetzte Publikum. Kinder haben ganz offene Ohren und gehen vorurteilslos an Neues heran. Das ist ein sehr ehrliches Zuhören, das auch sehr grausam sein kann. Künstlerisch ist das Arbeiten für Kinder sehr spannend und wird ständig unterschätzt. Ich rege mich manches Mal darüber auf, dass in den Medien diese Stücke oft als „ist ja nur für Kinder“ belächelt werden. Aber wer erinnert sich nicht an die tollen Kinderbücher, die man gelesen hat und die einen unglaublich geprägt haben?

Feuilletonscout: Lernen Sie von den Kindern?
Moritz Eggert: Natürlich. Für Kinder zu schreiben ist viel schwieriger als für Profis, die alles spielen können. Bei Kindern muss ich sehr viel genauer schauen. Die lernen ihr Instrument vielleicht erst seit einem Jahr. Da muss ich mir überlegen, was die schon können. Wenn ich ein Stück für Kinder schreibe, ist das mehr Arbeit als ein Stück für Erwachsene zu schreiben. Das heißt nicht, dass man die Musik primitiv machen muss. Aber sie muss spielbar sein. Kinder sind sehr wohl in der Lage, auch anspruchsvolle Musik zu spielen und werden häufig unterschätzt. Und vor allem bringen Kinder eine unglaubliche Energie mit. Jeder, der schon einmal mit Jugendorchestern gespielt hat, weiß das. Das ist was anderes als ein Beamtenorchester, das genau die Probenzeiten einhält.

Moritz Eggert_ Katharina Dubno

Foto: Katharina Dubno

Feuilletonscout: Sie haben selbst Kinder. Interessieren die sich für Ihre Arbeit?
Moritz Eggert: Ich dränge mich da nicht auf. Ich weiß selbst, dass, hätte man mich als Kind in diese Richtung gedrillt, Musik das letzte gewesen wäre, was ich gemacht hätte. Insofern eröffne ich meinen Kindern die Möglichkeiten und natürlich wachsen sie in einem musikalischen Haushalt auf. Wir haben häufig Musiker zu Gast, ich selbst mache ständig Musik, wir gehen in Konzerte und Opern. Aber nie würde ich Ihnen etwas aufdrängen. Das muss aus ihnen selbst kommen.

Feuilletonscout: Was ist Ihr musikalischer Traum?
Moritz Eggert: Da gibt es ganz viele. Ich habe ständig Ideen, die ich gern einmal verwirklichen möchte. Was ich gern machen möchte, ist eine Serien-Oper. Ich würde mit einem Opernhaus zusammenarbeiten wollen und eine Oper pro Woche herausbringen. Immer ganz kurz, wie Folgen einer Serie im Fernsehen, aber nicht als Soap, sondern durchaus anspruchsvoll. Und mich einfach mal der Herausforderung stellen, ständig im Fluss zu schreiben und direkt für die Aufführung zu komponieren. Das fände ich total spannend. Auch für das Publikum wäre das spannend. Es käme dann einmal die Woche für 29 Minuten.

Feuilletonscout Was sollen die Menschen von Ihnen und/oder Ihrer Kunst in Erinnerung behalten?
Moritz Eggert: Ich hoffe, dass sie nicht nur eine Sache in Erinnerung behalten, sondern angeregt sind von irgendetwas. Ich versuche, mehrere Steine in den großen Teich zu werfen und kleine Wellen zu machen, Dinge weiterzutragen. Ich komponiere nicht für die Nachwelt. Ich finde, man muss für den Moment komponieren und wenn der Moment wahrhaftig ist, dann kann das auch eine Wirkung haben. Wenn ich künstlerisch mein Bestes gebe, dann bin ich glücklich.

Feuilletonscout Was wären Sie geworden, wenn nicht Komponist und Pianist?
Moritz Eggert: Ich wäre vielleicht Filmregisseur oder Literat oder Journalist geworden. Auch Wissenschaft hat mich interessiert. Astrophysik. Es hätte irgendetwas Wissenschaftliches oder Kreatives sein müssen. Irgendeinen Bürojob hätte ich nicht gepackt.

Vielen Dank für das Gespräch, Moritz Eggert!

Die szenische Uraufführung der Oper „Freax“, die bisher nur konzertant aufgeführt wurde, wird im Frühjahr 2016 im Theater Regensburg zu sehen sein.

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